Unterwegs in Miches & Umgebung und (mal wieder) die Erkenntnis, dass die Welt ein Dorf ist!

„Die Welt ist ein Dorf.“, oder wie es auf Spanisch heißt, „Die Welt ist ein Taschentuch.“ – das musste ich hier in der DomRep schon öfter feststellen und diesmal bei meinem Ausflug nach Miches und Umgebung ganz besonders. Ich hatte mir schon vor einiger Zeit vorgenommen Yonattan, einen Studenten der Umweltschule in Jarabacoa, einmal in seinem Heimatort Miches zu besuchen. Gesagt, getan! Von Santo Domingo aus nahm ich ein Guagua Richtung Nordosten und kam nach einer etwa dreistündigen Fahrt erst an der Küste entlang, dann über die Berge der Cordillera Oriental hinweg im Küstenort Miches an. Untergebracht war ich beim Couchsurfing-Pärchen Cristina, eine Italienerin, und ihrem dominikanischen Mann „Pollo“. In ihrem riesigen, schön schlicht eingerichteten Haus bekam ich eines der zwei Gästezimmer und durfte von Cristinas leckeren italienischen Abendessen profitieren – eine willkommene Abwechslung vom dominikanischen Bohnen-mit-Reis-Einerlei, wobei ich selbst meine Gastgeber auch einmal bekochen durfte.

Yonattan hatte bereits ein umfangreiches Besichtigungsprogramm zusammengestellt und dank seines Motorrads waren wir schnell und flexibel unterwegs. Direkt nach meiner Ankunft am Donnerstagmittag fuhren wir zur Costa Esmeralda (Smaragdküste) und gingen am fast menschenleeren Playa Limón schwimmen und schnorcheln. Leider sahen die Korallen ziemlich braun und krank aus, was mir Yonattan bestätigte, der sehr aktiv im Umweltschutz seiner Gemeinde unterwegs ist. Der Strand an sich mit der Bergkulisse im Hintergrund war eigentlich echt schön anzusehen, wären da nicht die fiesen Sandflöhe gewesen, die wegen des bewölkten Wetters und so kurz vor Sonnenuntergang herauskamen.

Freitagmorgen fuhren wir östlich aus Miches heraus zur Laguna Redonda, die wir per Kayak erkundeten. Zum Glück war auch an diesem Tag der Himmel bedeckt – nicht auszudenken wie die Sonne sonst gebrannt hätte – aber trotzdem habe ich mir die Knie beim Kayakfahren doch leicht verbrannt. Wir schipperten an Schilf und Mangroven vorbei und fanden schließlich einen Abzweig, der uns bis ans Meer brachte. Dort waren gerade einige Fischer an der Arbeit. Wir erkundeten den am Meer gelegenen Palmenwald, der für mich irgendwie etwas märchenhaftes hatte, wären da nicht diese fiesen Moskitos gewesen…

Nach der Laguna Redonda durfte die Montaña Redonda nicht fehlen, ein neben der Lagune gelegener Berg, den wir (zu meinem Schrecken) wie die Besengten mit dem Motorrad hochheizten. Yonattan lachte mich die ganze Zeit nur aus, aber ich war echt erleichtert als wir endlich oben angekommen waren. Aber die beängstigende Fahrt hinauf hatte sich gelohnt: Wir hatten einen bombastischen Panoramablick auf das Meer, die Laguna Limón, Laguna Redonda, einen Teil von Miches und die Berge der Cordillera Oriental. Der Clou waren riesige Schaukeln, mit denen man quasi über den Abgrund schaukeln konnte, und Hexenbesen, die sich herrlich zu Sprungfotos eigneten. Des Weiteren gab es eine kleine Cafeteria, Campingmöglichkeiten, Hängematten und Wippen. Richtig cool!

Abends machten wir einen Spaziergang durch Miches, wobei ich über den hübsch angelegten Malecon (Strandpromenade) sehr positiv überrascht war. Yonattan zeigte mir zudem ein paar der Fischerboote, die die Küstenwache an Land gezogen hatte, und mit dem einige Dominikaner versucht hatten illegal nach Puerto Rico (mit den USA assoziierte Nachbarinsel) zu gelangen. Miches ist in der ganzen DomRep für diese Bootsfluchten bekannt, hinter denen ein riesiges Netzwerk aus Leuten steckt: es muss unauffällig Material für den Bootsbau eingekauft werden, das Boot muss an einem unauffälligen Ort zusammengebaut werden (teilweise in Wohnhäusern, von denen dann das Dach abgenommen wird, wenn das Boot in See stechen soll), die Küstenwache oder Polizei muss geschmiert werden, jemand muss ausreichend Verpflegung und Treibstoff kaufen, ein Kapitän muss gefunden werden, etc. Einmal auf See bedeutet das aber noch längst nicht, dass die Fluchtwilligen auch in Puerto Rico ankommen: Vor der Küste patrouilliert die dominikanische Küstenwache und die Mona-Passage, durch die das Fischerboot hindurch fährt, gilt als haiverseucht. Im schlimmsten Fall zahlen die Fluchtwilligen ihre Reise sogar umsonst und werden einfach nur einmal um die dominikanische Küste herum nach Punta Cana geschippert  und dort angeblich in „Puerto Rico“ hinausgelassen. Ich musste die ganze Zeit an Geschichten von Flüchtlingen aus der DDR denken, die versucht hatten, per Boot über die Ostsee nach Skandinavien zu flüchten.

Samstagmorgen hieß es früh aufstehen: Yonattan hatte eine Tour zu dem mit 120 m höchsten Wasserfall der Karibik, dem Salto la Jalda, geplant. Wir fuhren westlich aus Miches heraus bis in das Örtchen Magua, von dem wir südlich auf einem unbefestigten Weg weiterfuhren bis wir schließlich das Motorrad an einem Wohnhaus mitten im Grünen abstellten. Hier sollte also der Wanderweg starten – keine Beschilderung, nicht einmal ein richtiger Weg war vorhanden, aber Yonattan kannte sich zum Glück gut aus und so stapften wir durch den schlammigen Kakaowald. Nach etwa 1,5 Stunden gelangten wir an eine grüne Schutzhütte des Umweltministeriums, an der jedoch weit und breit kein Personal in Sicht war. Wir verschnauften auf den Schaukelstühlen oben auf der Veranda und sahen auf einmal wie ein weiterer Wanderer herankam. Wir begrüßten uns auf Spanisch, ich erkannte sofort den deutschen Akzent und musste im folgenden Dialog (mal wieder) feststellen, was die Welt doch für ein Dorf ist. Ich: „Wo kommst du her?“ – Christian: „Aus Dresden.“ – Ich: „Was? Ich auch! Wie alt bist du?“ – Christian: „29.“ – Ich: „Nein! Ich auch!!!“. Im Laufe der restlichen Wanderung versuchten wir fieberhaft einen gemeinsamen Bekannten zu finden, den wir beide aus unserer Heimatstadt kennen, aber Fehlanzeige. Erst zurück am Computer konnte uns Facebook helfen: Christians bester Freund, den er vom Studium kannte, war mit mir in derselben Grundschulklasse gewesen. Unglaublich! Christian schreibt übrigens auch den Reiseblog „My Travelworld. Reiseblog für Individualreisende“ und von ihm stammen auch die letzten beiden Fotos unseres Ausflugs zum Wasserfall.

Aber ja, zurück zum Wasserfall: Der war wirklich beeindruckend wie er in die Tiefe donnerte. Im kleinen Becken am Fuße des Wasserfalls konnten wir ein erfrischendes Bad nehmen. Ebenfalls am Fuße des Wasserfalls befindet sich witzigerweise ein Helikopterlandeplatz. Diesen hatte der venezuelanische Millionär ? dorthin bauen lassen, um quasi ohne Strapazen zum Wasserfalls gelangen zu können. Inwiefern der Landeplatz allerdings wirklich genutzt wird, weiß ich nicht.

Nachdem der Rückweg geschafft war, erfrischten wir uns an einem „Presidente Light“-Bier, das ich ja eigentlich wegen seines wässrigen Geschmacks überhaupt nicht mag, das aber bei der Hitze echt genial war. Dann quetschten wir uns zu dritt auf Yonattans Motorrad und fuhren zurück gen Miches. Kurz vor der Stadt: Benzin alle und keine Tankstelle in Sicht. Und zudem war das Motorrad noch von der morgendlichen Reifenpanne „geschwächt“. Was nun? Zu meiner Verblüffung war die Lösung ganz einfach und irgendwie „typisch dominikanisch“: Wir stiegen einfach auf ein anderes Motorrad um. Yonattan brachte dieses dann abends wieder zurück während sich der Typ, von dem er das Motorrad auslieh, um die Reparatur und Befüllung von Yonattans Motorrad kümmerte. Ende gut, alles gut!

Wasserreiches Wochenende in und rund um Constanza

Noch einmal „richtig“ Constanza besuchen – das hatte ich mir für meine noch verbleibende Zeit in der DomRep vorgenommen. Bisher hatte ich die höchstgelegene Stadt der Insel ja nur zweimal im Schnelldurchlauf besucht, das erste Mal zum Día de las Mercedes im September 2015 und ein zweites Mal für eine Familienfeier im November 2015. Nun also ein ganzes Wochenende in Constanza: Da Manuel samt seinem Motorrad auch wieder mit am Start war, konnte ich den unbequemen Transport im Pick-Up umgehen und mit ihm auf dem Motorrad die Berge rauf und runter von Jarabacoa bis ins Tal von Constanza kurven. Der Blick in die Berge ist dabei immer wieder beeindruckend und gigantisch!

Nach dem „Check-In“ in unserer AirBnB-Unterkunft nahe des kleinen Flughafens, die übrigens in der ehemaligen US-amerikanischen Siedlung „Colonia Kennedy“ lag, fuhren wir südlich aus Constanza hinaus Richtung Wasserfall „Aguas Blancas“ (Weiße Gewässer). Da der Weg zunehmends uneben wurde, ließen wir irgendwann das Motorrad stehen und setzten unseren Weg zu Fuß fort. Den Wasserfall konnten wir schon von Weitem sehen, stach doch das Weiß seines Wassers aus der grünen Landschaft geradezu hervor. Wir näherten uns zunächst auf einer mitleren Ebene dem Wasserfall, der in mehrern Kaskaden in die Tiefe rauscht und angeblich der höchstgelegene Wasserfall der Antillen sein soll (um mal wieder einen Superlativ zu bemühen), und hielten erst einmal ein Picknick ab. Die ganze Umgebung des Wasserfalls war für dominikanische Verhältnisse richtig gut mit touristischer Infrastruktur ausgestattet: an verschiedenen Höhen des Wasserfalls Sitzmöglichkeiten und kleine Aussichtsplattformen aus Holz, ein Pavillon am Fuße des Wasserfalls, Toiletten, Kassenhäuschen (zum Glück war niemand da!). Während ich im einsetzenden Regen im Pavillon ausharrte, sprang Manuel in den kleinen See am Fuße des Wasserfalls wobei er meinte, dass es sich angefühlt hatte, wie als hätte er in der Arktis gebadet so kalt war das Wasser. Brrrrrrr! Im Winter gefriert der Wasserfall wohl auch regelmäßig und heißt wegen der weißen Farbe des Eises eben „Aguas Blancas“.

Den Abend verbrachten wir in einem als Pizzeria bezeichneten Restaurant, das aber (natürlich gerade an diesem Abend) keine Pizza hatte, weil der Ofen kaputt war. Die karge, an ein Bahnhofsbistro erinnernde Inneneinrichtung erinnerte mich an die einfachen Restaurants, in denen Yasmin und ich manchmal auf unserer Portugalreise im November/Dezember 2014 gegessen hatten. Der Flachbildfernseher zeigte komische Videos von Welpen oder Jetski-fahrenden Erdhörnchen, an der langen Tafel neben uns feierte eine riesen Freundesrunde was auch immer und gab von Zeit zu Zeit merkwürdige „Miau“-Laute von sich und dazu dann der super höfliche und förmliche, sehr schick gekleidete Kellner. Echt skurril! Danach fanden wir wie durch Zauberhand „La Esquina“ (Die Ecke), die Kneipe Constanzas, die uns alle wegen der großen internationalen Bierauswahl empfohlen hatten und die sogar ihr eigenes Schwarzbier herstellt, „Ferringer“, das von der Familie Ferrer gebraut wird. Es schmeckte richtig gut und kam schon fast an deutsche Schwarzbiere heran. Zudem wurde hier Rockmusik gespielt, eine Wohltat für unsere Bachata- und Merengue-geschädigten Ohren!

Am nächsten Tag waren wir noch ein bisschen in der Stadt (es war mal wieder haitianischer Markt (Pulga)) und in der Umgebung unterwegs, bevor wir uns auf den Rückweg über die Panoramastraße bis zur Autopista machten, die Autobahn, die Santo Domingo und Santiago miteinander verbindet. Ein echter Geheimtipp wie sich herausstellte! Die Panoramastraße schlängelt sich durch die grünen Berge des Schutzgebiets Ebano Verde und gab immer wieder den Blick auf die Zentralkordilleren und auf der anderen Seite auf das Cibao-Tal und die Presa de Rincon (Rincon-Stausee) bei Bonao frei. Wahnsinn, wie weit man schauen konnte! Als wir dann auf der Autopista angekommen und Kurs auf La Vega genommen hatten, brauten sich schon die dunklen Wolken über uns zusammen. Kurze Zeit später fuhren wir durch strömenden Regen nach La Vega ein und konnten sehen, dass zahlreiche Straßen wegen des fehlenden oder überforderten Abwassersystems schon komplett unter Wasser standen. Manuel brachte mich zum Glück noch bis zur Guagua-Station für Jarabacoa, so dass ich zumindest erst einmal im Trockenden sitzen konnte. Als sich das Guagua die Straße nach Jarabacoa hochquälte, konnten wir nur sehen, wie ein Reisebus in einer Kurve nur kurz vor dem Abgrund zum Stehen gekommen war und alle Passagiere verängstigt unter einem naheliegenden Mariendenkmal Unterschlupf gesucht hatten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Bremsen des Busses komplett versagt hätten…

Raus ins Grüne – Campo-Arbeit bei Plan Yaque

Neben der Büroarbeit bei Plan Yaque versuche ich jede Woche mindestens einmal rauszukommen und entweder die Kollegen des Wasser- oder des Wiederaufforstungsprogramms nach draussen, auf’s „Campo“, zu begleiten. Das Gute ist, dass ich so z. B. etwas über Wasserqualitätsmessungen, die Situation der Wälder und Landwirtschaft lerne und zum anderen an Orte komme, an die ein Tourist wohl nie kommen wird, da sie in der Regel recht abgelegen sind. Wir sind meist in der Umgebung von Jarabacoa, Santiago, Constanza und Manabao unterwegs. V. a. die Berglandschaft rund um Constanza , wo Landwirtschaft sogar an den steilsten Hängen betrieben wird, hat es mir echt angetan. Aber seht selbst:

Der Expat-Ort Las Terrenas und ein schlammiger Ausflug zum Salto del Limón

Gerade erst zurück im Büro von den über drei Wochen Weihnachts- und Neujahrsurlaub standen schon wieder zwei Feiertage plus Brückentag vor der Tür, so dass ich schon wieder auf Reisen gehen „musste“. 😉 Diesmal sollte ich mit meinen beiden Mitfreiwilligen Sarah und Manuel auf der Halbinsel Samaná unterwegs sein. Sarah und ich fuhren von Jarabacoa aus über La Vega nach San Francisco de Macorís, wo wir den Caribe-Tours-Bus nach Sanchez, quasi die Eingangsstadt Samanás, nehmen wollten. An der Busstation in San Francisco trafen wir prompt auf weitere Freiwillige, die dieselbe Idee wie wir gehabt hatten, nach Samaná zu fahren. In Sanchez stiegen wir alle in ein Guagua in das nördlich gelegene Las Terrenas um, der Expat-Ort schlechthin: Franzosen und Italiener überall, zumindest hatte ich diesen Eindruck anhand der Mehrheit der Restaurants, die einfach mal Italiener waren, und aufgrund der am meisten gehörten Sprache, Französisch. Es gab sogar eine französische Bäckerei im Ort, die wirklich richtig gute französische Süßigkeiten und Gebäck im Angebot hatte. Und an allen Abenden auf Samaná sollten wir tatsächlich Italienisch essen gehen!

Doch damit der anderen Nationen und Kulturen nicht genug: Samaná selbst erscheint wie eine andere Welt im Vergleich zu anderen Teilen der DomRep. Noch im 18. Jahrhundert war Samaná als Insel vollständig vom Festland getrennt gewesen und wurde erst durch Sedimentablagerungen an dieses angeschlossen. Zwischen 1822 und 1844, d. h. in der Zeit als Haiti die komplette Hispaniola-Insel (heutige DomRep + Haiti) besetzt hielt, wurden aus den USA freigelassene Sklaven auf Samaná angesiedelt, die sowohl ihre protestantische Religion als auch die englische Sprache mitbrachten. Und so kommt es zum einen, dass die meisten Einwohner Samanás eine sehr dunkle Hautfarbe aufweisen und viele noch immer ein kreolisiertes Englisch sprechen und zum anderen, dass man überall protestantische Kirchen sieht. Ich fühlte mich in vielen Momenten nach Tansania zurückversetzt als wir durch Samaná reisten – irgendwie versprühte die Halbinsel schon ein „afrikanisches“ Flair, sicher auch aufgrund der zahlreichen Haitianer, die heute dort leben.

In der Stadt Las Terrenas selbst gab es einfach unglaublich viele touristisch geprägte Läden, Restaurants und Cafés und zwei stark befahrene Hauptstraßen. Weil mir dort zu viel Trubel war, machte ich mich nach unserer Ankunft im Hostel „Fata Morgana“ auf den Weg zum Playa Bonita („Schöner Strand“), der wirklich sehr schön, aber durch die starke Strömung auch nicht ganz ungefährlich war.

Manuel, der mit dem Motorrad bereits seit einigen Tagen im Norden der DomRep unterwegs gewesen war, trafen wir abends im Hostel und gingen dann, Überraschung, sehr gut Italienisch essen.

Am nächsten Tag machten wir uns per Pickup auf den Weg zum kleinen Örtchen El Limón, in dessen Umgebung es mehrere Wege zum Wasserfall Salto del Limón gibt. Sämtliche Versuche der am Eingang herumlungernden Guides uns ein Pferd für den Ritt zum Wasserfalls anzudrehen, schlugen wir aus und wanderten auf einem zwischendurch extrem schlammigen Weg bis zum Wasserfall. Vermutlich weil es morgens die ganze Zeit geregnet hatte, waren nicht zu viele andere Touristen da, so dass wir den etwa 50 m hohen Wasserfall in seiner ganzen beeindruckenden Erscheinung ausführlich betrachten konnten. Manuel sprang gleich hier ins Wasser; Sarah und ich dann am kleinen „Bruderwasserfall“, wo dann wirklich kein weiterer Tourist zu finden war. Ein sehr lohnenswerter Ausflug, obwohl wir im Vorfeld mehrfach gewarnt worden waren, den Weg wegen der Schlammmassen nur auf dem Pferd zurückzulegen. Es ging auf jeden Fall auch zu Fuß und auf dem Pferd hätte ich mich jedenfalls deutlich unsicherer gefühlt.

Restauración und Río Limpio – gefühlt bis ans Ende der Dominikanischen Republik

Ab dem 18. Dezember bis zum 4. Januar hatten wir in unsere NGO Plan Yaque Betriebs-, also kollektive Zwangsferien, was insofern gut passte, dass ich über Neujahr ohnehin Besuch von Olga und Yasmin, zwei Freundinnen aus Berlin, mit denen ich auch schon den Kilimanjaro bestiegen hatte, bekommen sollte. Aber zunächst war ich vom 18.12. an für die Tage bis Weihnachten mit Sarah im Nordwesten des Landes nahe der haitianischen Grenze unterwegs. Nach einer Nacht in Monte Cristi fuhren wir zunächst mit dem Bus bis in die Grenzstadt Dajabón, von dort aus mit dem Guagua nach Loma de Cabrera und von dort aus hinten auf dem Pickup bis nach Restauración. Was es dort gibt, werdet ihr euch vielleicht fragen. Auf jeden Fall sehr schöne Natur und grüne Berge so ähnlich wie hier in Jarabacoa. Und des Weiteren ist dort ein weiterer Freiwilliger unserer Gruppe, Lukas, „stationiert“, den wir einmal besuchen wollten. An sich werden sich wohl sonst nur wenige Touristen in diese Kleinstadt verirren. Durch das GIZ-Büro gibt es jedoch einige Ausländer, hauptsächlich Deutsche, die in Restauración arbeiten; mal abgesehen von den Haitianern, die etwa die Hälfte der Ortseinwohner ausmachen. „Restauración“ erhielt seinen Namen übrigens 1865 als die DomRep nach erneuter spanischer Besetzung endlich ihre staatliche Eigenstaatlichkeit wiederherstellen, „restaurieren“, konnte (Einen knackig-kurzen geschichtlichen Überblick liefert Wikipedia).

Nachmittags unternahmen wir einen kleinen Ausflug zu einer nahegelegenen Badestelle und abends erlebten wir das ziemlich lustige Nachtleben Restauracions: Es fing damit an, dass ein neuer Cocktailstand mit bunter Diskobeleuchtung im Ort aufgemacht hatte, der Cocktails mit merkwürdigen Namen wie „Bin Laden“ und „Facebook“ verkaufte. Ich probierte „Bin Laden“: Ironischerweise enthielt dieser Cocktail extrem viel Alkohol und, nun ja, schmeckte nicht wirklich gut. Wir zogen weiter in eine typisch dominikanische Stätte der Abendunterhaltung: Ein Colmado (Tante-Emma-Laden) mit kleiner Tanzfläche, darauf Plastiktische und -stühle und natürlich laut dröhnender Bachata- und Merengue-Musik, zu der ein paar Leute tanzten. Danach ging’s weiter in den größten Club des Ortes, in dem für die Nacht eine Stripshow auf dem Programm stand. Hoho, naja, da wird sich schon keiner richtig ausziehen, dachte ich, da man hier dann doch recht konservativ ist. Aber nein, die Stripperin tanzte irgendwann tatsächlich „oben ohne“ und die Männer im Publikum hatten natürlich nichts gegen ihre Annäherungsversuche einzuwenden. Ganz anders als dann der (offensichtlich schwule) Stripper auf die Tanzfläche kam und versuchte sich an ein paar Frauen zu schmeißen: Diese schoben zumeist ängstlich-schüchtern-belustigt ihren Freund vor und wollten am liebsten verschwinden. Er zog sich allerdings nicht komplett aus, sondern behielt sowohl Unterhose als auch String-Tanga an. Von wegen „Stripshow“! 😉

Am nächsten Tag machten wir uns mittags zusammen mit Lukas und Marian, einem Praktikanten der GIZ, per Auto auf nach Río Limpio („Sauberer Fluss“), gefühlt dem Ende der Dominikanischen Republik. Für den staubigen, huckeligen, eigentlich nur etwa 30 km langen Feldweg brauchten wir geschlagene 1,5 Stunden! Aus unserer Freiwilligengruppe wohnen Freddy und Charlie in diesem Ort und ich muss sagen, die beiden sind deswegen echt nicht zu beneiden! Obwohl es an sich echt erstaunlich ist, wie groß Río Limpio doch ist, da man mit einem Ort solcher Größe am Ende des Feldwegs gar nicht mehr rechnet. Als wir dort waren, hatte der Ort gerade mal seit einer Woche Anschluss ans Stromnetz – keine Ahnung, wie dort alles vorher funktioniert hat! An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die ganze Region nahe der Grenze mit Haiti zu einer der ärmsten Regionen in der ganzen DomRep zählt und man dies z. B. anhand der einfachen Holzhütten, in denen die meisten Menschen leben, sieht, an denen wir auf der Reise vorbeifuhren.

In Río Limpio angekommen fuhren wir am Haus von Charlies Gastfamilie vorbei, nur um zu erfahren, dass sie und Freddy leider ausgeflogen waren, wir aber gerne zum Essen vorbeikommen könnten. Gesagt, getan: Wir setzten unseren Ausflug zunächst in Richtung eines Wasserfalls fort, mussten an einer Stelle des schlammigen Weges das Auto stehen lassen und mit dem Motorrad eines örtlichen GIZ-Mitarbeiters weiterfahren. SEHR abenteuerlich, da wir zu dritt auf dem Motorrad saßen, ich ganz hinten, und sich das Motorrad einen steilen, schlammigen Weg nach oben quälte. Der Motor brüllte (und ich auch), ich verbrannte mir fast die Hand beim Festhalten und fiel hinten fast vom Motorrad runter. Der dominikanische GIZ-Kollege lachte nur und konnte meine Aufregung und Angst gar nicht verstehen. Nach diesem Schreck jedoch entschädigte der herrlich-grüne, dichte Wald und der Wasserfall für alles!

Den Rückweg zum Auto legten wir (Gracias a Dios! – Gottseidank!) zu Fuß zurück. In Río Limpio erwartete uns dann bei Charlies Gastfamilie ein leckeres Essen bevor wir uns auf den ruckeligen Rückweg nach Restauración machten.

Salto Jimenoa Uno – Ausflug zum Wasserfall mit deutschen Überraschungen

Rund um Jarabacoa gibt es insgesamt drei Wasserfälle: Nummer Eins bzw. eigentlich Drei haben wir mit dem Salto de Baiguate bereits abgeklappert, bleiben nun noch Salto de Jimenoa Uno (Eins) und Salto Jimenoa Dos (Zwei) übrig. Nachdem wir uns nach einiger Verwirrung aufgrund der ähnlichen Namen darauf geeinigt hatten, den Numero Uno zu besuchen, verließen wir vergangenen Samstagmorgen Jarabacoa und wanderten ca. 6 km an der bergigen Straße nach Constanza entlang. Leider kein schöner Weg, aber wir wollten eben laufen und uns nicht mit dem Motoconcho hinkutschieren lassen. Am Abzweig zum Wasserfall kamen wir schweißnass gebadet an und mussten uns erst einmal ausruhen und Luft zufächeln (Ein Königreich für meinen Fächer!) bevor wir zum kleinen Kassenhäuschen gingen. Schon beim Reinkommen konnte ich sehen, wie die Frau am Einlass und eine andere Frau über einer Bibel gebeugt saßen und über bestimmte Passagen zu diskutieren schienen. Es stellte sich heraus, dass die andere Frau Deutsche war, die seit über 20 Jahren mit ihrem Mann in der Gegend lebte, ihren bayrischen Dialekt aber unüberhörbar beibehalten hatte. „Kann i eu was zu Lesen mitgeb’n?“ fragte sie uns beim Abschied. Ich lehnte dankend ab, Sarah bejahte und erhielt eine Broschüre der Zeugen Jehovas auf Spanisch! 😉 Das deutsche Ehepaar war also missionarisch in der Gegend unterwegs! In Jarabacoa hatten wir bereits eine Kirche der Zeugen Jehovas gesehen und auch ansonsten sieht man öfter Zeugen Jehovas mit diesen „Bibelwägen“, die an öffentlichen Plätzen versuchen Leute anzusprechen und religiöse Texte zu verteilen.

Nachdem wir also diese erste deutsche Überraschung des Tages (eine zweite sollte folgen) „verdaut“ hatten, stiegen wir zum Wasserfall hinab. Den steilen, aber gut angelegten Weg säumten diverse Informationstafeln zur heimischen Flora und Fauna, zum Wassersystem, zur Bodenbeschaffenheit, Geologie, etc., die in vier Sprachen verfasst worden waren (Spanisch, Englisch, Französisch und sogar Deutsch!). Unten am Wasserfall angekommen tat sich trotz Wasserknappheit ein herrliches Felspanorama mit Wasserfall auf. Der Wasserfall stürzt aus ca. 20 Metern Höhe hinab und ist von bewachsenen Felswänden gesäumt. Angeblich soll hier eine Szene aus dem ersten Jurassic-Park-Film von Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 gedreht worden sein. Wir setzen uns erst einmal in den Schatten, packten wieder ein großes, gesundes Picknick aus und bestaunten den Wasserfall. Am Ende tauchte sogar noch Yonattan, ein Student der Umweltschule in Jarabacoa auf und konnte uns noch einiges mehr über Flora und Fauna des Ortes erzählen.

So steil der Abstieg zum Wasserfall gewesen war, so steil mussten wir auch wieder hinaufsteigen. Yonattan schaffte das mehr als uns und noch diese Woche jammerte er uns von seinen Beinschmerzen vor. Wie gesagt, Laufen ist hier ja eher out. 😉 So liefen wir diesmal auch nicht zurück, sondern trampten. Irgendwann erbarmte sich ein Autofahrer und ließ uns drei einsteigen. Der Typ war einfach nur abgefahren: Fette Sonnenbrille und nicht minder fette/fettige Haare, die er mit unglaublich viel Pomade nach hinten gelegt hatte, eine noch fettere Lautsprecherbox auf der Rückbank vor der ich saß, die aber Gottseidank nicht angestellt war, und natürlich die obligatorische Frage „Woher kommt ihr?“. Als wir ihm erzählten, dass wir aus Deutschland seien, fing er an, von seiner in Deutschland lebenden Tochter zu erzählen, begann irgendwelche Kuhkäffer in der Nähe von Mainz („irgendwas mit …heim am Ende“) aufzuzählen und von den dortigen Weinfesten zu schwärmen. Die deutsche Überraschung Numero Zwei des Tages! Und sicher nicht die Letzte hier… .

Jarabacoa auf Schleichwegen – Jamaca de Dios & Salto de Baiguate

Das zweite Wochenende in Jarabacoa nutzten Sarah und ich für zwei erste Ausflüge in die Umgebung, da die Stadt selbst doch recht wenig zu bieten hat. So machten wir uns vergangenen Samstagmorgen auf zum Bergrestaurant „Aromas de la Montaña„, das auf dem Projektgelände von „Jamaca de Dios“ (Die Hängematte Gottes) liegt und leider mit einem Hindernis verbunden war: Als wir am Eingangstor des Projektgeländes ankamen, hieß es, dass wir nicht weiter bis zum Restaurant hochlaufen dürften, sondern mit dem Auto fahren müssten. Blöd, wenn man kein Auto hat und blöd, dass wir das Auto, das uns angeboten hatte uns mitzunehmen, gerade abgelehnt hatten… Der Wärter war leider auch nicht zu einer Ausnahme zu bewegen. Wir kehrten um und gingen zurück zu einigen ärmlich aussehenden Holzhäuschen, an denen ein Feldweg vorbei den Berg hinaufführte. Wir hatten Glück: Es war eine Art Pfad, auf dem wohl Kühe den Berg hochgetrieben werden, der sich den Berg hochschlängelte und eine herrliche Aussicht auf Jarabacoa und Umgebung bot. Am Ende kamen wir sogar wieder auf der offiziellen Autostraße und fast am Restaurant heraus. Als wir weitere Wärter fragten, ob wir noch weiter den Berg nach oben gehen dürften, waren diese völlig verdutzt, als wir ihnen erzählten, dass wir zu Fuß auf einem anderen Weg zum Restaurant gelangt waren. Das gäbe nun ein Problem für den Rückweg, da wir ja offiziell mit einem Auto wieder nach unten fahren müssten. Wir mussten ihnen also versprechen, im Restaurant etwas zu trinken und dann ein Taxi zu bestellen um wieder nach unten zu fahren. Natürlich taten wir das nicht, sondern nahmen denselben Schleichweg nach unten, auf dem wir nach oben gekommen waren und sparten einige Pesos, die wir im Restaurant sonst für einen überteuerten Saft hätten ausgeben müssen. 😉

Wir stärkten uns in einem kleinen sympathischen kolumbianischen Restaurant in der Nähe unserer Wohngegend und nahmen dann Kurs auf zum Salto de Baiguate (Baiguate-Wasserfall), an der südwestlichen Ausfallstraße von Jarabacoa gelegen. Nachdem wir von der Hauptstraße abgebogen waren, folgten wir etwa 45 Minuten einem staubigen Weg vorbei an Kressefeldern und durch herrliche grüne Hügel hindurch. Als wir am Wasserfall ankamen, mussten wir leider feststellen, dass er nur wenig Wasser führte, wie uns unsere Kollegen und meine Gastmutter bereits prophezeit hatten. Momentan nämlich wird die Region hier von einer großen Trockenheit heimgesucht, die z. B. auch bewirkt, dass wir öfter kein Fließendwasser zu Hause haben und die Pumpe anstellen müssen, um Wasser aus dem Tank zu bekommen. Trotz Badeverbot waren einige Leute im Wasser: eine Gruppe Jugendlicher mit (vermutlich) alkoholhaltigen Drinks in Plastikbechern, Kinder und eine Familie, die sich im Wasser die Haare wusch… Nur eine kleine Verschmutzung im Vergleich zu dem ganzen Müll, der weiter unten noch in dem aus dem Wasserfall hervorgehenden Fluss landen wird…
Sonntag nutzte ich leicht muskelkatergeplagt zum Shoppen und etwas Spazierengehen in Jarabacoa, wie ihr auf den Fotos unten sehen könnt.

3. Station: Moshi und Marangu am Kilimanjaro

Von Arusha nahm ich den Bus nach Moshi, der Stadt am Fuße des Kilimanjaro. Auch diese Stadt ist selbst nicht wirklich lohnenswert anzusehen, da auch sie keine richtigen Sehenswürdigkeiten aufweist. Und auch den Kilimanjaro bekam ich leider nie zu Gesicht, weil seine Spitze stets nebelverhangen war 😦

Ich übernachtete bei Couchsurfer Martin, der mich am kommenden Tag zu einem Ausflug in das Bergdorf Marangu mitnahm. Von dort aus war es nur ein kurzer Weg und ich stand erneut vor Wasserfällen, den Kinukamori-Wasserfällen. Um diese herum war ein Besucherzentrum eingerichtet, in dem man einiges über die Wasserfälle, damit verbundene Chagga-Sagen und die Kultur des Chagga-Stammes erfahren konnte. Auf dem Festland begegnete mir die Stammesthematik zum ersten Mal: Tansania weist etwa 130 Stämme auf, die sich durch verschiedene Kulturen und Glaubensvorstellungen, teilweise durch klar unterscheidbare Sprachen voneinander unterscheiden. Durch das Kiswahili als übergeordnete Sprache und ein gewisses tansanisches, nationales Zusammengehörigkeitsgefühl, das vermutlich ein Verdienst des von Nyerere (1. Präsident Tansanias nach der Unabhängigkeit 1963) kreierten afrikanischen Sozialismus ist, kommt es in Tansania zu keinen Stammesfehden. Ganz anders in Kenia, wo bestimmte Volksgruppen versuchen andere zu dominieren und es häufig zu Unruhen kommt, so wie 2007/2008 nach den Wahlen. Zum Glück kaum bei den diesjährigen Wahlen!

Martin gehörte übrigens dem Stamm der Pare, und sein Freund, der mit uns bei den Wasserfällen war, dem Stamm der Chagga an. D. h., Kiswahili nutzten beide um sich miteinander zu verständigen, wobei beide aber eine andere Muttersprache (Kipare und Kichagga) haben.

Von Marangu aus fuhren wir noch in das Kilimanjaro-Basiscamp, von dem die meisten Bergbesteigungen starten und wo man sich sein komplettes Equipment zusammenstellen kann. Angeblich schafft man es, in 5 Tagen auf dem „Uhuru Peak“ (Freiheitsspitze) des mit 5895 m höchsten Berg Afrikas zu sein. Das muss ich probieren solange ich noch hier bin! Der erste Europäer übrigens, der den Kilimanjaro bestieg, hieß Hans Meyer und gehörte der Verlegerfamilie an, die das „Meyers Konversationslexikon“ herausgibt.

Den letzten Abend in Moshi versackten wir mit Martins Freunden und viel zu viel Bier (es ist echt billig hier, nur etwa 0,85 €/Bier!) in zwei „local bars“, die immer die gleichen Elemente aufweisen: eine vergitterte Bar, um das Barpersonal vor Betrunkenen zu schützen, Plastiktische und Plastikstühle, sowie viel Bierwerbung drumherum. Zudem laute „Bongo Flava“-Musik und schummriges Licht und teilweise echt schräge Typen. Man könnte den ganzen Abend nur dasitzen und Leute beobachten!

2. Station: Arusha am Fuße des Mount Meru

Der Flug mit Fastjet verlief reibungslos und über meinen Kollegen Mohammad, der in der Lodge Exkursionen organisiert, hatte ich mir einen Taxifahrer organisiert, der mich für einen echt günstig ausgehandelten Preis vom Kilimanjaro International Airport nach Arusha fuhr. Auch in Arusha hatte ich mir einen Übernachtung über Couchsurfing organisiert: Ich hatte eine Japanerin, Hiromi, kontaktiert, die dort ein Tourunternehmen zusammen mit ihrem tansanischen Mann betrieb. Allerdings war sie gerade in Japan und hatte mir daher den Kontakt zu ihrem Nachbarn Walter gegeben, in dessen WG ich übernachten konnte. Zum Frühstück konnte ich immer ins nahegelegene Haus von Walters Schwester gehen, wo diese mit ihrem Mann und Kind, sowie den Eltern wohnte. Familienanbindung pur und alle waren so herzlich und gastfreundlich!

Mit Walter war ich Donnerstag dann in Arusha unterwegs, die in der Hochsaison wohl von Touristen überquellen muss, weil diese hier ihre Ausflüge in die Nationalparks der Umgebung (Serengeti, Ngorongoro-Krater) starten. Die Stadt selbst fand ich einfach nur hässlich und nichtssagend. Es gibt keine richtigen Sehenswürdigkeiten und ich hatte das Gefühl, dass die ganze Stadt nur aus Einkaufsstraßen bestand. Leider hob mein Fotoapparat an diesem Tag seine Hufen hoch, so dass ich keinerlei Fotos machen konnte. Am Abend bekam ich ihn wieder flott (puh!), auch wenn der Bildschirm nicht mehr funktionierte.  Aber bis zu meiner Abreise am übernächsten Tag konnte ich leider keine Aufnahme mehr vom Mt. Meru erhaschen, ein Berg, an dessen Fuße sich Arusha befindet. Die Bergregion machte das Wetter herrlich kühl und ließ keine Moskitos überleben (ohhh ;-)). Wovon ich ebenfalls keine Aufnahme bekam, weil es verboten war dort Fotos zu machen, war das wie eine riesige Fabrik aussehende Gebäude des AICC-Kongresszentrums, in dem seit 1995 der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda tagt und in dem ebenfalls Konferenzen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union stattfinden.

Hiromi hatte mir einen zweiten Kontakt zu einem Lehrer, Conrad, gegeben, der eine Schule betrieb, in der er Jugendliche als angehende Touristenguides ausbildete und ihnen vorwiegend Fremdsprachenunterricht anbot. Mit Conrad und ein paar seiner Schüler unternahm ich am nächsten Tag einen Ausflug zum Naporo-Wasserfall. Wir wanderten eine Strecke, die ich niemals selbst gefunden hatte, zumal ich nie eine Wanderkarte für Arusha gesehen hatte, und zudem hatte Conrad eine Eintrittsbescheinigung für das Wasserfallschutzgebiet dabei, an die ich selbst auch nie gekommen wäre. Bis auf kurze Regenschauer war das Wandern durch die grüne Landschaft einfach nur herrlich. Nach dem Abstieg ins Flussbett allerdings wurde es unangenehm: Wir mussten ca. 30 Minuten barfuß über die glitschigen Flusssteine staksen bis wir schließlich am Wasserfall ankamen. Er hatte durch das viele Wasser der Regenzeit mächtig Wasserdruck und stürzte aus bestimmt 30 Metern Höhe in die Tiefe. Sehr beeindruckend! Die Luft war voller feinster Wassertropfen, meine Hose bald klitschenass und mir arschekalt. Nervigerweise war auch gerade eine ganze Schulklasse kurz nach uns am Wasserfall eingetroffen – den Lärmpegel kann man sich vorstellen und keine Ahnung, wie viele tausend geposte Fotos sie schossen. Ich musste nicht lange warten und hörte „Madam, Madam, can I take a picture with you?“, was ich allerdings genervt ablehnte, denn ich wusste schon, dass sie das Foto nur machen wollten, weil ich ein Mzungu bin. Nach dem Wasserfallausflug wanderte ich mit Conrad noch ein bisschen in seiner Wohngegend umher, die herrlich idyllisch war. Auf einmal standen wir vor einer rote Backsteinkirche, die nicht nur verdammt deutsch aussah, sondern tatsächlich auch von Deutschen erbaut worden war, wie mir Conrad erklärte.

Übrigens wird in Arusha und auch Moshi, meiner nächsten Station, Kaffee angebaut. Dieser ist allerdings hauptsächlich für den Export bestimmt, so dass man, wenn man im Restaurant einen Kaffee bestellt, leider nur Instant-„Africafe“ bekommt… Ich brachte mir allerdings Kilimanjaro-Kaffee von der Reise mit und kann diesen nun jeden Morgen zum Frühstück genießen. Der Geschmack ist echt was Besonderes!

Am Wochenende machte Arusha allerdings mit einem traurigen Ereignis Schlagzeilen: In einer katholischen Kirche, die gerade neu eröffnet werden sollte, ging eine Bombe hoch, so dass zwei Menschen starben und 58 verletzt wurden:

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