Pico Duarte – nach dem höchsten Berg Afrikas erklimmen wir den höchsten Berg der Karibik und verpennen Silvester

Nachdem ich Olga und Yasmin in Santo Domingo eingesammelt hatte, machten wir uns per Caribe-Tours-Bus sogleich auf nach Jarabacoa, denn am nächsten Morgen wollten wir frühzeitig unsere Wandertour starten. Nach dem Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas, den wir im Februar gemeinsam erklommen hatten, wollten wir nun den Pico Duarte, den höchsten Berg der Karibik, in Angriff nehmen. Höhenmäßig sollte das kein Problem sein, ist der Pico Duarte mit 3.087m doch um einiges kleiner als der 5.895m hohe Kili. Bei dieser Tour jedoch hatten wir jegliche Verpflegung für uns vier (Sarah war auch mit dabei) + zwei Guides (einer für uns und einer für die Pferde) selbst kalkulieren, besorgen und zum Startpunkt in La Ciénaga, etwa 1h15 min westlich von Jarabacoa, transportieren müssen. Dort trafen wir dann unseren Guide Guaria, der das Essen, Trinken, unsere Rucksäcke und Campingsachen auf die Pferde verlud, uns zum Registrierungsbüro brachte und dann gegen 8 Uhr zum Abmarsch blies. Wie schon damals beim Kili schlängelte sich der Weg zunächst durch dichten grünen Tropenwald, bevor die Landschaft mit zunehmender Höhe kahler wurde. Der Weg war teilweise ziemlich steil und rutschig, aber insgesamt angenehm zu laufen, zumindest wenn man halbwegs trainiert war, so wie wir. Wir sahen ansonsten zahlreiche Leute, die sich auf dem Pferd bzw. Maultier den Weg hoch- bzw. runtertragen ließen. Jetzt konnte ich auf einmal auch die Dominikaner verstehen, die mir erzählt hatten, dass sie schon so viele Male auf dem Pico gewesen waren. Nun ja, die meisten Dominikaner sind einfach extrem lauffaul und sind wohl kaum, so wie wir, den ganzen Weg zu Fuß hinauf- und wieder hinabgestiefelt.

Die erste Etappe bis zum Basecamp in La Compartición zog sich extrem lang hin, so dass wir mit Pausen fast 10 Stunden unterwegs gewesen waren. Als wir völlig erschöpft ankamen, wurde es auch schon mal bald dunkel und somit schnell kalt. Zum Glück machten die Guides ein Lagerfeuer an, brachten uns Reis mit Bohnen und Hühnchen, das noch von einer anderen Gruppe übrig gewesen war, und zeigten uns dann unsere Schlafstätte in einer einfachen Holzhütte. Außer uns waren nur noch ein bulgarisches Pärchen und ein paar Amerikaner mit im Basecamp, das sich erst am nächsten Tag, dem 31.12., mehr füllen sollte. Wir überlegten gegen 4 Uhr morgens aufzustehen, um zu Sonnenaufgang oben auf dem Gipfel zu sein. Leider hörten wir, wie es nachts heftig regnete und entschieden uns somit erst gegen 8 Uhr hochzulaufen. Eine gute Entscheidung, wie wir später feststellten: Die Amerikaner waren frühmorgens im Regen zum Gipfel aufgebrochen und hatten vor lauter Wolken beim Sonnenaufgang gar nichts gesehen. Wir hingegen hatten strahlenden Sonnenschein und einen herrlichen Ausblick ins Umland bis Santiago und den Stausee bei San Juan de la Maguana. Der Gipfel, benannt nach einem der Staatsgründer, Juan Pablo Duarte, bordete nur so vor Nationalstolz über: Eine dominikanische Flagge, ein Holzkreuz, eine Büste Duartes und noch eine Ganzkörperstatue Duartes. Am Fuße der Gipfelfelsen noch zahlreiche Plaketten mit Sprüchen wichtiger Menschen und Institutionen, die den Gipfel auch schon einmal bestiegen hatten. Zu Diktaturzeiten hatte der Gipfel übrigens Pico Trujillo geheißen und war glatt ein bisschen höher gemacht worden (3.175 m).

Als wir am Nachmittag zurück im Basislager waren, trudelten mehr und mehr Silvestertouristen ein. Um 19 Uhr stießen wir bereits mit dem von Olga mitgebrachtem Champagner auf das deutsche Silvester an, da wir nicht sicher waren, ob wir Mitternacht noch wach sein würden. Letztendlich gingen wir zeitig schlafen, stellten uns den Wecker auf 23.45 Uhr, entschieden uns dann jedoch aufgrund der Kälte draußen (etwa 5°C), doch besser weiterzuschlafen. Das hatte ich schon immer einmal machen wollen: Silvester einfach verpennen! 🙂

Für den Abstieg am nächsten Morgen standen wir 5 Uhr auf und liefen noch in völliger Dunkelheit los bis uns das Morgengrauen einholte und sich die umliegenden Berge langsam im Morgenlicht abzeichneten. Ein beeindruckendes Spektakel!

Für den Abstieg brauchten wir bei Weitem nicht so lange wie für den Aufstieg und so kamen wir bereits gegen 13 Uhr mit ordentlich demolierten Füßen unten in La Ciénaga an, wo uns, wie vereinbart, ein Taxi abholte und zurück nach Jarabacoa brachte. Yasmin fuhr am nächsten Morgen weiter nach Cabarete, wo ein Surfkurs auf sie wartete und Olga hatte eine Raftingtour gebucht. Ich kümmerte mich um die Wäsche und das Packen für unsere Weiterreise ebenfalls nach Cabarete am späten Nachmittag. Soll noch mal ein sagen, Urlaub sei zum Entspannen da! 😉

 

Jarabacoa, mein Wohn- und Arbeitsort in den „dominikanischen Alpen“

Am späten Freitagnachmittag trafen wir dann in Jarabacoa (ca. 57.000 Einwohner) ein, das etwa zwei Autostunden von Santo Domingo entfernt in den „dominikanischen Alpen“, der Cordillera Central, liegt. Einen dreitägigen Fußmarsch entfernt befindet sich sogar der höchste Berg der Karibik, der Pico Duarte (3057m, Pico = span. für Gipfel, Duarte > Juan Pablo Duarte, einer der Gründungsväter der Domrep), den ich natürlich auch bald besteigen werde!

Meine Gastfamilie sind meine Gastmutter Lourdes (sie ist witzigerweise fast genauso alt wie ich, nämlich 31 Jahre) und ihre neunjährige Tochter Eliana. Beide sind supernett und haben schon Erfahrung mit einer vorhergehenden Freiwilligen gesammelt, d. h. ich habe ziemlich viele Freiheiten, was hier in der Domrep v. a. für junge Frauen nicht immer selbstverständlich ist. Lourdes arbeitet morgens bis nachmittags für das Umweltministerium und geht abends an die landwirtschaftliche Universität und ist daher ziemlich busy. Trotzdem hat sie mich vergangenes Wochenende gleich zu einigen „Aktivitäten“ mitgenommen: Shoppen im größten Supermarkt der Stadt, der extrem amerikanisiert ist, ein Besuch in der katholischen Messe am Samstagabend und am Sonntagmorgen auf eine Konferenz (die dann allerdings mangels erscheinender Teilnehmer auf unbestimmte Zeit verschoben wurde) und eine Kommunikationsmesse im Hotel „Pinar Dorado“ (Goldene Pinie). Man muss wissen, dass die Berge um Jarabacoa herum von vielen kreolischen Pinien, einer endemischen Art, bedeckt sind und daher viele Hotels u.a. Orte „Pinar“ im Namen tragen.

Die Stadt selbst bietet kaum richtige Sehenswürdigkeiten, aber die Berge und Wasserfälle in der Umgebung laden zu öko-touristischen Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Rafting, Kanufahren, Paragliding, Reiten, etc. ein. Und für Unterhaltung ist durch einige Cafés, Bars und überall präsente lautstarke Bachatamusik gesorgt. Wenn nur diese nervigen, überall herumknatternden Motorräder nicht wären… Aber daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen!

Plan Yaque

Muy tranquilo – sehr ruhig und entspannt – hat am Montag meine und Sarahs Arbeit bei Plan Yaque angefangen, eine NGO, die sich für den Schutz der Wasserqualität des Flusses Río Yaque del Norte einsetzt, der durch Jarabacoa fließt. Der Fluss entspringt mit trinkbarem, sauberen Wasser in den Bergen, wird dann allerdings beim Weg durch die Dörfer und Ortschaften so zugemüllt, dass das Wasser schon in Jarabacoa zu verdreckt ist, um trinkbar zu sein. Gestern war ich mit William und Emmanuel an fünf verschiedenen Wasserstellen, wo sie einmal monatlich die Wasserqualität erfassen. Weiterhin ist Plan Yaque z. B. an der Konstruktion von Kläranlagen und an der Aufklärungsarbeit für Schüler und Studenten beteiligt, organisiert Aktionstage zusammen mit anderen Organisationen, bei denen die Bevölkerung Müll sammeln geht, etc. Um sich untereinander zu vernetzen, hat meine deutsche Entsendeorganisation ecoselva den dominikanischen NGOs eine Online-Plattform zur Verfügung gestellt, die ich nun im Laufe des Jahres verwalten und vor allem animieren werde.

Aprender español – Tägliches Gehirnjogging

Ich könnte ungelogen jeden Tag einfach um 21 bzw. 22 Uhr ins Bett gehen und das, obwohl ich normalerweise nicht vor Mitternacht ins Bett komme! Aber Spanischlernen schlaucht einfach und ist das reinste Gehirnjogging! Nach den ersten Tagen in meiner Gastfamilie und auf Arbeit bin ich wirklich gezwungen permanent auf Spanisch zu kommunizieren und vor allem zuzuhören. Diese ständige Konzentration strengt unglaublich an und Montag nach unserer ersten Vorstellungs- und Präsentationsrunde auf Arbeit rauchte mir einfach nur der Kopf! Aber ich verstehe sehr viel und nur bei einigen Leuten ist der Dialekt bzw. Akzent schwer zu verstehen. Meine eigene Sprachproduktion ist natürlich noch begrenzt, auch wenn ich schon zu hören bekomme, wie gut mein Spanisch doch sei Aber in Frankreich während meines Erasmusjahres war es ja ähnlich: Da wurde ich schon am ersten Tag für mein „gutes Französisch“ gelobt, obwohl ich gerade einmal zwei Sätze zusammenbasteln konnte. 😉

Jedenfalls waren die letzten Tage intensiver als jeglicher Spanischkurs, den ich jemals belegt habe, und so verbringe ich jeden Abend fleißig damit neues Vokabular in mein Vokabelheft zu schreiben und Wörter, dir mir im Laufe des Tages über den Weg gelaufen sind, nachzuschlagen. Nebenbei versuche ich mich darauf zu konzentrieren, in welcher Zeitform hauptsächlich gesprochen wird und versuche diese nachzubilden, wobei mir der liebe Indefinido (eine Zeitform, die es im Deutschen nicht gibt) immer einiges Kopfzerbrechen bereitet. Aber he, es macht einfach Riesenspaß wieder richtig in eine neue Sprache einzutauchen!!! 🙂

Tansania vs. USA

Mein erster Eindruck von der Domrep insgesamt ist, dass für mich viele Phänomene, die ich im Alltag beobachten kann, wie ein Mix aus Elementen aussieht, die ich aus Tansania und den USA kenne:

* riesige Wahlplakate für die Wahl im Mai 2016 und riesige Werbebanner, die sehr an die USA erinnern

* US-ähnliche Supermärkte mit vielen US-Produkten, sowie Fastfoodketten und Cafés mit USA-Touch

* Minibusse „Guaguas“, die an die „Daladalas“ in Tansania erinnern und in jeden Winkel des Landes fahren, sowie Motorradtaxis, sogenannte „Motoconchos“, die sich in Tansania „Bodaboda“ nannten

* die kleinen „Colmados“ genannten Tante-Emma-Läden und die Essstände am Straßenrand sehen teilweise exakt gleich aus wie in Tansania

* laute Musik auf der Straße, hier Bachata und Merengue, in Tansania Bongoflava – ich bin auf meine erste Busfahrt und die dort gezeigte Musikvideos gespannt!

* ABER: Hier fährt leider kein Mensch Fahrrad (außer „verrückte“ Europäer oder Amerikaner) und jede noch so kleine Strecke muss entweder mit dem Motorrad oder dem fetten klimatisierten Auto zurückgelegt werden – dass Sarah und ich jeden Tag auf Arbeit laufen ist wirklich sehr ungewöhnlich!

***Die Crowdfunding-Kampagne läuft weiter***

Und zu guter Letzt möchte ich nochmals auf meine Crowdfunding-Kampagne für ecoselva aufmerksam machen:

1 Kaffee weniger, 1 Spende mehr. Euer Beitrag zum Regenwaldschutz (DomRep)

Der Verein freut sich über eine kleine Spende und im Gegenzug gibt’s hier von mir regelmäßig Berichte und Fotos aus der Domrep. ¡Hasta la próxima vez! – Bis zum nächsten Mal!