Dresden-Nazca-Connection

„Nasca ist das Land des ewigen Sonnenscheins und ich sehe vor mir schon die weiten Horizonte der Pampa, die sich braunrot in der Sommersonne ausbreitet, einsam und geheimnisvoll, ohne eine Spur von tierischem oder pflanzlichem Leben, geschweige denn Menschen. Für viele ist es zu öde und verlassen, für mich ist es mein Land, und ich fühle mich eins mit dem weiten Himmel, dem dunklen steinigen Boden, der weiten Ebene, auf der ein Mensch sich verliert wie ein kleiner unsichtbarer Punkt in der Ferne. Ich spüre bei der Arbeit nicht Hunger und Durst und älter werden.“ Ein Zitat der deutschen Nazca-Linien-Forscherin Maria Reiche, das die Landschaft rund um Nazca, eine 23.000-Einwohner-Stadt etwa 450 km südlich von Lima gelegen, sehr treffend beschreibt. Den Namen Nazca verbindet man eigentlich immer nur mit den Nazca-Linien und tatsächlich, die Stadt an sich ist recht uninteressant, wenn man mal von den leckeren Fruchtsäften und Nachtischen absieht, die wir dort zu uns nahmen. 😉

So hatten Ly und ich für Donnerstagvormittag (25. August) über unser Hostel einen obligatorischen Rundflug über die Nazca-Linien gebucht. Wir wurden von einem Touristenbus direkt am Hostel eingesammelt und zum winzigen Flughafen von Nazca gebracht, wo der Check-In sehr schnell vonstattenging. Nur der Start ließ ewig auf sich warten. Nun ja, genug Zeit, um sich den Dokumentarfilm in „Indiana-Jones-Manier“ über die Geschichte der Nazca-Linien anzuschauen, deren Ursprung und Zweck bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Es gibt Theorien darüber, dass die Linien (Geoglyphen = „Scharrbilder“) Teil eines astronomischen Kalenders, Wege zwischen religiösen Kultstätten oder dass die Linien selbst in Rituale eines präkolumbianischen Fruchtbarkeits- oder Wasserkults eingebunden gewesen seien. How ever, nun wurde es ernst und Ly und ich, sowie weitere vier Passagiere begaben uns zu dem kleinen Flugzeug, das uns gleich mit auf einen rund 30 minütigen Rundflug über die mysteriösen Nazca-Linien nehmen sollte. Der Pilot riet uns immer schön den Horizont im Blick zu behalten, denn wir würden die im Sand sichtbaren Figuren stets einmal links und einmal rechts herum umfliegen, damit jeder etwas sehen könne. Manchmal war es etwas schwierig die konkreten Figuren (z. B. Kolibri, Affe, Astronaut, Papagei) überhaupt zu erkennen, dafür sah man aber überall die schnurgeraden Linien, die die Wüstenlandschaft surreal durchkreuzten und die selbst wiederum durch die schnurgerade Straße der „Panamericana Sur“ durchschnitten wurden. Als wir wieder gelandet waren und festen Boden unter den Füßen hatten, war Ly die Freude darüber echt ins Gesicht geschrieben. Ihr Magen hatte den Ausflug im Gegensatz zu meinem wohl nicht so toll gefunden, was wohl auch daran gelegen haben muss, dass ich an diesem Tag auf Anraten des Hostelrezeptionisten auf ein Frühstück verzichtet hatte.

Und woher kommt nun die Dresden-Nazca-Verbindung wie im Titel dieses Blogeintrags steht? Ganz einfach: Die deutsche Forscherin Maria Reiche, die die Nazca-Linien Zeit ihres Lebens erforschte, war 1903 in Dresden geboren worden, wo sie später Mathematik, Physik und Geographie studierte. 1932 verschlug es sie als Hauslehrerin des Deutschen Konsuls nach Cuzco, Peru, und ab 1946 arbeitete sie an der Erforschung der Nazca-Linien, von denen sie durch einen US-amerikanischen Kollegen gehört hatte. Sie zog in eine kleine Hütte nicht unweit der Linien, die man heute als Museum besichtigen kann. Bis zu ihrem Tod im Alter von 95 Jahren in Lima hatte sie zahlreiche deutsche und peruanische Auszeichnungen und schließlich sogar die peruanische Staatsbürgerschaft erhalten. Heute gibt es in Dresden eine „Maria-Reiche-Straße“ und einen Verein, den „Dr. Maria Reiche – Linien und Figuren der Nasca-Kultur in Peru e.V.“, der sich für den Erhalt der Nazca-Linien einsetzt und schon ein paar interessante Aktionen durchgeführt hat. Wieder was gelernt – über die Heimat in der Ferne! 🙂

 

Ein Gedanke zu “Dresden-Nazca-Connection

  1. Pingback: Das afro-peruanische Erbe in Chincha und El Carmen – Andarina vom Dienst

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