Rustikales Weihnachten auf dem Campo bei Jarabacoa

Weihnachten sollte dieses Jahr für mich ganz anders als in Deutschland werden, logisch, eben ein dominikanisches Weihnachten! Am 24. Dezember kam ich im Laufe des Vormittags aus Monte Cristi zurück während meine Gastmutter Lourdes noch bis Mittag arbeiten musste. Nachmittags machten wir uns dann im Auto ihres Freundes auf auf’s „Campo“ (auf’s Land), einem Ort namens Hatillo, wo ihre Eltern wohnen und wo sie aufgewachsen war. Bevor es jedoch in die Berge ging, machten wir noch eine kleine Runde in Jarabacoa: Bei einer Frau holten wir Kuchen ab und bei einem Mann Spanferkel in Plastiktüte. Traditionell wird zu Weihnachten ein Schwein auf den Grill gehauen, da dies aber ziemlich aufwendig ist, holten wir das bereits fertig zubereitete Fleisch ab. Und dieses wird, wie so ziemlich alles hier in der DomRep, natürlich in einer Plastiktüte transportiert. (Okay, bei einer Tagung von Arbeit aus haben sie das Schweinefleisch mal in einem Pappkarton angeliefert, das dann im Auto zum Tagungsort gefahren wurde. Ihr könnt euch vorstellen, dass der Karton bei der Ankunft natürlich völlig „durchgesuppt“ war und beim Anheben auseinanderfiel. Resultat: die Hälfte des Fleischs auf der Wiese, das meine Kollegen dann ganz pragmatisch mit einem Löffel auf die Aluschale schaufelten, in der das Fleisch auf das Buffet gestellt wurde. Das deutsche Gesundheitsamt sollte hier besser nicht vorbeischauen! ;-))

Aber genug der Parenthese: Nach der kleinen Einkaufstour fuhren wir in die beeindruckende grüne Berglandschaft nordwestlich von Jarabacoa und kamen nach zahlreichen Aufs und Abs am Haus von Lourdes‘ Eltern an. Es handelt sich um ein einfaches Holzhaus, wie ich es zuhauf schon in Restauración und Río Limpio gesehen hatte. Das Dach ist in diesen Häusern nicht mit den Wänden verbunden und folglich kann man alles, was vor und im Haus passiert, auch hören. In das Haus integriert ist ein kleiner Colmado, also ein Tante-Emma-Laden, den Lourdes‘ Vater neben der Landwirtschaft noch betreibt und zu dem ein überdachter Bereich mit Tischen, Stühlen und Tanzfläche gehört. Bevor es aber mit Musik, Tanz und Alkohol los ging, gab es erst einmal ein rustikales, aber sehr leckeres Weihnachtsessen: der obligatorische Reis mit Bohnen, Kartoffelsalat, Krautsalat, Schweinefleisch, Nudelsalat und Kochbananen – alles bunt auf einem Teller zusammengewürfelt und ohne großen Pathos aufgetischt und gegessen. Als besonderen Nachtisch gab es später noch Äpfel, Weintrauben, Rosinen und bunte, quietschsüße Geleefrüchte. Geschenke gibt es zu Weihnachten nicht (wenn dann bekommen Kinder am 6. Januar etwas geschenkt) und auch sonst gab es keinerlei Rituale oder besondere Bräuche. Irgendwann stellte Lourdes‘ Vater die Musikanlage an, Bachata und vor allem Merengue dröhnten durch die Weihnachtsnacht und die ersten Nachbarn kamen mit dem Motorrad, bestellten sich Bier und Rum und fingen an zu tanzen. Ich bewunderte die Ausdauer, mit der die Leute bei jedem neuen Lied aufsprangen und zu tanzen anfingen, obwohl immer wieder dieselben Lieder liefen . Was mich schon bei einem früheren Tanzbarbesuch, nun ja, ich will nicht sagen, schockiert, aber doch sehr überrascht hat, ist zudem die Gleichgültigkeit, mit der die Leute hier tanzen. In der Regel schauen sie sich beim Tanzen nicht an, sondern schauen gelangweilt aneinander vorbei und arbeiten scheinbar mechanisch die Tanzbewegungen ab. Absolute Routine! Und ich fand es in Berlin im Salsaclub immer total furchtbar, wenn mich der Tanzpartner nicht einmal anschaut, weil ich mir dann frage, warum wir überhaupt zusammen tanzen. Bei der Weihnachtsfeier jedenfalls war ich natürlich weit und breit die einzige Ausländerin und witziger- und ungewöhnlicherweise traute sich kaum einer der Männer mich, die „Americana“, zum Tanzen aufzufordern. Vielleicht weil sie dachten, ich könne es sowieso nicht? Wagte sich dann doch mal einer, so war er jedenfalls immer ganz überrascht, dass ich ja doch tanzen könne…

Die Musik dröhnte sicher noch bis irgendwann um 2 oder 3 Uhr morgens, jedenfalls konnte ich in der Nacht nicht wirklich viel schlafen, zumal auch noch heftiger Regen einsetzte. Am nächsten Morgen schob ich etwas Panik, da ich wusste, dass ich mit einem Motoconcho den schlammigen, steilen und ständig auf- und abgehenden Weg zurück nach Jarabacoa fahren musste und nur zu gut noch die Erinnerung von Río Limpio im Hinterkopf hatte. Aber letztendlich ging alles gut: Der Fahrer fuhr sehr vorsichtig und war an das Fahren auf dem Campo gewöhnt. Puh! Ich kam unbeschadet in Jarabacoa an, wo ich nachmittags meine Reise Richtung Santo Domingo fortsetzte.

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