Wandmalereien und Erinnerungsorte an die Mirabal-Schwestern: Villa Tapia, Salcedo und Tenares

Das Oktoberfest bot einen guten Anlass, um die wichtigsten Städte der Provinz Hermanas Mirabal (Mirabal-Schwestern), Villa Tapia, Salcedo und Tenares, zu besichtigen. Über das Oficina Técnica Provincial (Technisches Büro der Provinz), für das die deutschen Freiwilligen, die auch das Oktoberfest organisierten, arbeiten, wurde am Samstagvormittag eine Tour im Guagua zu diesen drei Städten organisiert. Wir fuhren entlang der Ruta de los Murales (Route der Wandmalereien), die besonders typisch für diese drei Städte sind und sehr viel von der Kultur und Geschichte der DomRep zeigen. Leider konnten wir aus dem Guagua nie aussteigen, um Fotos zu machen, so dass ich entschloss, diese Städte an einem anderen Wochenende noch einmal allein zu besuchen, um Foto schießen zu können.

Die Wandmalerei-Tour wurde mit einem Besuch im Museum der Mirabal-Schwestern abgerundet. Diese drei Schwestern, Minerva, Patria und Maria Teresa Mirabal, quasi Nationalheldinnen und auch auf dem 200-Peso-Schein zu finden, gehörten einer Widerstandsbewegung gegen den Diktator Trujillo (1930-61) an und wurden in seinem Auftrag umgebracht. Die drei nannten sich „Las Mariposas“ (Die Schmetterlinge), weswegen der Schmetterling als Symbol in vielen Wandmalereien auftaucht und auch als Motiv für die Wanddekoration von privaten Wohnhäusern sehr beliebt ist.

Das Museum befindet sich im Wohnhaus der Mirabal-Schwestern, die dieses bis zu ihrer Ermordung 1960 bewohnt hatten. Und so findet man es auch noch vor: alle Räume sind vollständig eingerichtet, die Kleidung der Schwestern hängt noch im Schrank, die Küche ist voll ausgestattet. Die vierte überlebende Mirabal-Schwester, genannt Doña Dedé, hat dieses Museum eingerichtet und auch einige Bücher über ihre Schwestern geschrieben. Sie wird jedoch, obwohl sie z. B. alle Kinder ihrer Schwestern nach deren Tod großzog, kaum in die nationale Erinnerungssymbolik einbezogen. Zu den Hintergründen der Trujillo-Diktatur erfährt man im Museum nur wenig; es werden mehr einzelne Personen aus der Widerstandsbewegung vorgestellt. Eine Analyse der Hintergründe und des Verlaufs der Diktatur sucht man vergebens, vermutlich weil die Aufarbeitung der Geschichte des Landes noch nicht derart ausführlich stattgefunden hat wie ich das z. B. aus Deutschland und der Aufarbeitung der Naziherrschaft kenne. Nach Trujillos Ermordnung 1961 kam nach einer kurzen Interimsregierung des Politikers und Schriftstellers Juan Bosch 1966 Joaquín Balaguer an die Macht und blieb es bis 1996! Wenn man sich mit Dominikanern unterhält, so erhält man häufig die Aussage, dass die Diktatur nicht mit Trujillo endete, sondern quasi bis 1996 weiterging und die Bevölkerung militärisch auf Unterordnung getrimmt wurde, was man ihrer Meinung nach bis heute beobachten kann. Ich bin gespannt, denn nächstes Jahr im Mai finden hier Wahlen statt und schon jetzt hängen überall riesige, quietschbunte Wahlplakate. Es gibt sogar kurz vor den Wahlen Wahlgeschenke wie z. B. eine Waschmaschine für die Armen, damit diese ja zur Wahl gehen und das richtige Kreuzchen setzen…

Nach dem Oktoberfest Samstagabend nutzten wir den Sonntag noch zur Besichtigung des kleinen Örtchens Ojos de Agua („Wasseraugen“), in dem sich ein Denkmal für die Mirabal-Schwestern und ein Ecoparque, eine Art Botanischer Garten, befindet. Ein schönes, ruhiges Fleckchen Erde mit interessanten Pflanzen!

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