Jarabacoa – internationaler Müllsammeltag und „Kirchennerds“

In Jarabacoa steppt echt nicht der Bär und so sind Sarah und ich bisher nur einmal ausgegangen, naja, was trinken gegangen. So kommt es auch, dass ich schon zwei Samstagabende einfach mal in der Kirche beim Gottesdienst verbracht habe. In den zwei größeren katholischen Kirchen, die ich hier kenne, ist tatsächlich jeden Abend von Montag bis Samstag 19 bis ca. 20 Uhr Messe und Sonntagmorgen dann natürlich auch. So war ich bereits einmal mit meiner Gastfamilie in der Kirche bei uns im Stadtviertel und dann vergangenen Samstag zusammen mit Sarah in der Hauptkirche am Parque Central im Stadtzentrum. Sehr interessant, auch wenn ich mich mit dem Ablauf bei katholischen Gottesdiensten nicht wirklich auskenne. Auf jeden Fall gibt es schöne Musik, die noch schöner wäre, wenn nicht die Mikros viel zu laut aufgedreht wären… In der Hauptkirche veranstaltete der Padre zu Beginn der Messe sogar eine Art Quiz und fragte Inhalte aus der vergangenen Bibelstunde ab. Jeder, der die Antwort richtig sagte, bekam eine Kreuzkette umgehängt. Nicht schlecht als interaktives Element!

Wir werde jedenfalls in den kommenden Wochen weiterhin einige Gottesdienste „ausprobieren“ und besuchen – ein Freund von mir hat dafür einmal nicht ganz unpassend den Begriff „Kirchennerd“ geprägt und zu dem werden wir hier wohl mangels anderem Kulturangebot werden. 😉

Aber es ist ja nicht so, dass gar nichts los wäre: Ebenfalls vergangenen Samstag fand der Día Mundial de la Limpieza de las Costas statt, eigentlich ein Tag zur Säuberung der Küsten von Müll. Da Jarabacoa aber nun einmal (leider) nicht am Meer liegt, sollte an diesem Tag das Flussufer des Río Yaque del Norte von Müll gesäubert werden. Die Auftaktveranstaltung begann mit einer Eröffnungsrede, einem Eröffnungsgebet, dem Singen der Nationalhymne und dem Verteilen eines eklig süßen Erfrischungsgetränks. Wir fuhren mit einigen Kollegen von Plan Yaque und dem Umweltbüro zur Puente Jarabacoa, einer Brücke, deren Umgebung voll mit Plastikmüll (v. a. Plastikflaschen und Styroporformen zum Essenstransport), Geschirr, Dosen, etc. war. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir die fünf Müllsäcke natürlich voll und mussten ziemlich lange auf Nachschub warten. Zumal wir wirklich nur den Müll an der Oberfläche wegräumen konnten – was noch so alles in der Tiefe schlummerte, wollte ich lieber gar nicht so genau wissen. Da die meisten Müllsammler nach 1,5 Stunden, von denen bestimmt 45 Minuten nur aus Warten auf die nächsten Müllsäcke, Quatschen und Safttrinken bestanden hatte, keine Lust mehr hatten weiter zu sammeln, wurde die Aktion für beendet erklärt. Ich war natürlich schon etwas enttäuscht von der ganzen Aktion, die mir sehr aktionistisch, aber wenig effektiv vorkam. Auch mein Kollege Enmanuel hatte schon zu mir gemeint, dass die Aktion nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei, so lange sich nicht das Bewusstsein der Menschen ändere, die ihren Müll einfach so überall fallen ließen.

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