Ngorongoro-Krater – das „achte Weltwunder“

Am Tag zwei unserer Safaritour hieß es früh aufstehen: Wir wollten noch vor Sonnenaufgang am Eingangstor der Ngorongoro Conservation Area sein, um von dort aus mit den ersten Sonnenstrahlen in den riesigen 16 x 20 km großen Ngorongoro-Krater hinunterzufahren. Der Krater ist nicht etwa durch einen Meteoriteneinschlag, sondern durch einen Vulkan entstanden, der in sich zusammensank und somit die Kratergrundfläche bildet. Als wir in der frischen Morgenkühle in den Krater hinunterfuhren tat sich ein gigantisches Panorama von extremer Weite vor unseren Augen auf. Man konnte selbst mehrere Kilometer entfernt Elefanten am Horizont erspähen. Überall tummelten sich riesige Gnu-, Zebra- und Büffelherden. Da der Krater zu einem der dichtest besiedelten Löwengebieten Afrikas zählt, konnten wir sogar einige Exemplare von Simba entdecken, allerdings niemals so nah wie Zebras, Elefanten, Gnus, Strauße oder Impalas an das Auto herankamen. Bis zur Mittagszeit fuhren wir auf dem Kraterboden umher und hielten immer wieder zum Tier-Sightseeing an. Oder hielten vielleicht die Tiere zum Menschen-in-komischen-Blechkarren-Angucken-Sightseeing an? Sie zeigten sich in allen drei Nationalparks, die wir besichtigten, ehrlichgesagt relativ unbeeindruckt von den vorbeifahrenden Safariwagen. Umso besser!

Als die ersten europäischen Forscher und Siedler Anfang des 20. Jahrhunderts den Krater erblickten, müssen sie wohl ziemlich beeindruckt gewesen sein. So bezeichnete Bernhard Grzimek, der später den 1960 oscarprämierten Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ drehte, den Krater als „achtes Weltwunder“. Sein Sohn Michael Grzimek starb übrigens bei den Dreharbeiten zu diesem Film als er beim Flug über den Ngorongoro-Krater mit einem Geier zusammenprallte und das Flugzeug daraufhin abstürzte. Makabererweise gibt es am Aussichtspunkt auf den Krater eine hübsche Bronzeplakette mit allen Personen, die im Ngorongoro-Krater bereits zu Tode gekommen sind, aufgelistet mit genauer Todesursache.

Nach einer Mittagspause am See, diesmal in Begleitung einer ugandischen Schulklasse, fuhren wir wieder aus dem Krater heraus und besichtigten am Rand des Kraters ein Maasaidorf, das dort von der tansanischen Regierung extra angesiedelt worden war, um für Touristen offen zu stehen. Es war schon ein bisschen fremdschämen angesagt: Italienische Touristen und welche vom Balkan etwa in unserem Alter betraten Zigarette rauchend und in den kürzesten Hotpants und Tops das Maasaidorf und machten dämlich Selfies mit den herumstehenden Maasai. Natürlich durfte ein Besuch in der Maasai-Schule und ein Fotos von den „ach so süßen“ Maasai-Kindern nicht fehlen, die die Touristen mit großen Augen ansahen. Um einer leicht unauthentisch wirkenden Maasai-Tanzaufführung zu entkommen, hatten wir das Glück uns mit einem der Einwohner in eine der Bomas (eine traditionelle Maasai-Hütte aus Kuhdung) zu setzen und uns mit ihm über die Kultur der Maasai und deren Probleme mit der Zentralregierung zu unterhalten. Es war hochinteressant und erschreckend zugleich zu hören, wie oft die Maasai bereits zwanghaft umgesiedelt worden waren bzw. Weideland verloren hatten bzw. es aktuell durch Landgrabbing verlieren.

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