Kilimanjaro – If you can’t climb it, drink it (or better: do both)!

„Wenn du nicht hinaufsteigen kannst, trink es einfach!“ – hä? So übersetzt lautet der Werbespruch von Kilimanjaro (das Kilimanjaro), einer weitverbreiteten tansanischen Biersorte. Da uns, Yasmin, Olga und mir, aber der in Aussicht gestellte Kilimanjaro-Konsum nicht reichte, wollten wir auch noch den Kilimanjaro in Angriff nehmen und das „roof of Africa“ (das Dach Afrikas) besteigen – immerhin 5895 m hoch gelegen! Nach wochenlanger Planung, Terminfindung, Suche nach Tourunternehmen, Medikamentenzusammenstellung und Impfmarathon war es dann am 21. Februar soweit: Unsere dreiwöchige Tansaniareise konnte starten! Was folgte war zunächst ein weiterer Marathon, ein Reisemarathon: Von Berlin nach Istanbul, von Istanbul nach Dar-es-Salaam und von dort aus zum Kilimanjaro-Airport. Ab dem Flughafen nahmen wir Busshuttle und Taxi bis zum Hotel (und zahlten statt der von unserem Reiseveranstalter angebotenen 35 USD gerade mal 7€…), das etwa 3 km außerhalb von Moshi lag. Dort hatten wir nun zwei Tage zum Entspannen bis es Dienstagmorgen auf zum Kilimanjaro gehen sollte. Wir hatten uns für die so genannte Machame-Route, auch „Whiskey-Route“, entschieden, da diese wohl im Gegensatz zur Marangu-Route, die auch als „Coca-Cola-Route“ bezeichnet wird, etwas „schärfer“ im Anspruch ist und landschaftlich angeblich mehr bietet. Zudem hatten wir uns bewusst gegen eine Übernachtung in Hütten, wie es nur auf der Marangu-Route möglich gewesen wäre, entschieden, da wir gelesen hatten, dass diese oft laut und überfüllt seien und man schlussendlich sowieso im Zelt übernachten müsse. Ihr könnt im Folgenden nun unsere einzelnen Bergetappen nachlesen und anhand der Bilder in die abwechslungsreiche, überwältigende Landschaft eintauchen. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Co-Fotografin Olga, von der ich einige Fotos für meinen Blog verwenden durfte!

1. Etappe: Machame-Gate bis Machame-Camp

Am Dienstagmorgen also sammelte uns unser Guide Fortunatus (auch „42“, also „Four two“ auf Englisch ausgesprochen, genannt) mit einem Daladala-ähnlichem Minibus im Hotel ein. Auf dem Weg gabelten wir noch unseren Assistant Guide Ernest auf und fuhren dann zum Machame-Gate (1790 m hoch gelegen), von wo aus die siebentägige Bergtour starten sollte. Wir mussten noch einigen Papierkram regeln und sollten zudem 3 Liter Wasser in unsere mitgebrachten Thermosflaschen bzw. Camelbags umfüllen, denn da es sich beim Kilimanjarogebiet um einen Nationalpark handelt, durfte man keine Plastikflaschen mit hinein nehmen. Auch die Müllentsorgung in den Camps ist, wie wir in den nächsten Tagen feststellen sollten, genauestens reglementiert und sämtlicher Müll muss wieder mit nach unten genommen werden.

Das Stück bis zum ersten Camp, dem Machame-Camp (3010 m), war eine Wanderung mit leichtem Anstieg durch tropischen Regenwald und ja, der Regen tropfte wirklich bald auf uns herunter und wir merkten, wie wichtig ein guter Regenschutz war. Mittagessen gab’s in Form einer Lunchbox, das wir, halbwegs vom Regen geschützt, unter einem Baum mampften: kaltes Hühnchen, ein Ei, eine Banane, ein trockener Muffin, Kekse, Toastbrot. Angekommen im ersten Camp warteten bereits aufgebaute Zelte, eine Schüssel warmes Wasser (mehr gab’s nun eine Woche lang nicht zum Waschen), sowie ein leckeres Abendessen auf uns, das wir in einem extra aufgestellten „Restaurantzelt“ einnahmen. Jeden Abend sollte es energiereiche Nahrung geben: Eine leckere Suppe als Vorspeise (z. B. Gurkensuppe), Kohlenhydrate (Reis, Nudeln, Kochbanenen, etc.), Fleisch und Gemüse als Hauptspeise und Obst als Nachspeise. Wichtig war jedoch, dass wir weiterhin zusätzlich zu den täglich abgefüllten 3 Litern Wasser weiterhin gut Flüssigkeit zu uns nahmen. Das sollte uns, so unser Guide Fortu, beim Bewältigen der zunehmenden Höhe helfen. Bisher merkten wir davon noch nichts…

2. Tag: Machame-Camp bis Shira-Camp

Nach einem herrlich stärkenden Frühstück mit einer Art tansanischem Porridge („Uji“ genannt), Omelett, Würstchen und Toastbrot nahmen wir die zweite Tagesetappe bis zum Shira-Camp auf 3845 m Höhe gelegen in Angriff. Die Landschaft, durch die wir hindurch wanderten, sah durch den umher wabernden Nebel zeitweise recht mystisch aus. In der Mittagspause begegneten wir riesigen schwarzen Vögeln und auf dem weiteren Weg nach oben interessanten Pflanzen und Gesteinsformationen (siehe Fotos). Natürlich zählte unser Guide alle Namen der Flora und Fauna auf, doch merken konnte ich mir das alles leider nicht. Ich schiebe es einfach mal auf die zunehmende Höhe… Diese machte uns nämlich an diesem Tag tatsächlich allen dreien zu schaffen: erst Kopfschmerzen, dann Übelkeit, dann Übergeben 😦 Aber danach ging es einem auch gleich schon wieder besser und durch die Übernachtung auf dieser Höhe gewöhnte sich der Körper bereits daran und konnte neue rote Blutkörperchen bilden, so dass wir am nächsten Morgen wieder putzmunter waren und weitermarschieren konnten. Übrigens hatten wir pro Person ganze drei (!) Träger, ohne die wir die Tour natürlich niemals geschafft hätten. Sie nahmen nicht nur unseren Kram, den wir tagsüber nicht benötigten, auf ihren Rücken bzw. Kopf, sondern auch die Zelte, das gesamte Essen und auf einer der letzten Etappen sogar noch das Wasser. Es ist einfach nur purer Wahnsinn sie so schwerbepackt durch die Felslandschaft springen und klettern können!!! Ich möchte nicht wissen, welche gesundheitlichen Folgeschäden sie eines Tages haben, zumal sie auch schlecht bezahlt werden… Wir haben daher später bei der Trinkgeldvergabe extra noch mehr gegeben, um unser schlechtes Gewissen zumindest ein bisschen zu beruhigen…

3. Tag: Shira-Camp über den Lava-Tower bis Baranco-Camp

Am dritten Tag stiegen wir zunächst bis zum Rande des Lavakraters auf 4640m hinauf, wo wir zwischen süßen gestreiften Bergmäusen und den großen schwarzen Vögeln unsere Lunchbox plünderten. Von dort aus ging es jedoch wieder nach unten zum Baranco-Camp auf 3960 m Höhe. Wir hatten nämlich einen extra Akklimatisierungstag gebucht und konnten uns daher dieses Hoch und Runter „leisten“. Der Körper nämlich realisiert erst nach zwei Stunden, dass er schon so hoch oben gewesen ist, und bildet dann trotz des Wiederabstiegs weiterhin fleißig neue rote Blutkörperchen. Das Baranco-Camp lag landschaftlich sehr schön in die Bergmauern eingebettet und wir hatten den schneebedeckten Kili-Gipfel namens Kibo stets vor der Nase. Es gibt nämlich noch einen zweiten Gipfel, den gezackten Mawenzi, den wir v. a. am Gipfeltag bewundern konnten. Daher ist es eigentlich nicht korrekt davon zu sprechen, dass man den „Kilimanjaro“ besteigt, denn dieser bezeichnet das gesamte Bergmassiv. Korrekt müsste man von einer „Kibo-Besteigung“ sprechen.

4. Tag: Baranco-Campo über Breakfast-Wall bis Karanga-Camp

Am nächsten Morgen brauchten wir zunächst alle Energie des reichhaltigen Frühstücks, um die so genannte Breakfast Wall zu bezwingen. Hier war „climbing like a monkey“ angesagt, also der Einsatz von Händen und Füßen, um die Felswand hochzuklettern. Das Klettern an sich war gar nicht so schlimm eher die ganzen Leute, andere Touristen und die schwerbeladenen Träger, um einen herum. Ich hatte mich ohnehin schon gefragt wie viel wohl in der Hochsaison auf den Kilipfaden los sein müsse, wenn das hier gerade einmal die Nebensaison war… Ich war jedenfalls echt froh, dass keiner der Träger mit seinem Riesengepäck abgerutscht, oder schlimmer noch, gestürzt war, denn das hätte eine wahre Kettenreaktion unter allen Kletterern ausgelöst . Von Sicherheitsstandards konnte auf diesem Stück echt keine Rede sein… Naja, nach einer 3/4-Stunde war es geschafft und wir liefen weiter durch die mondlandschaftartige Landschaft bis zum Karanga-Camp (4035 m). Passend zum Campname, „Karanga“ heißt „Erdnuss“ auf Kiswahili, gab es zur ersten Stärkung frisch geröstete Erdnüsse. Mmh, lecker! Da es nur ein kurzer Tag mit etwa 4 Stunden wandern gewesen war, hatten wir ausreichend Zeit, uns abseits vom Camptrubel auf einen Fels zu setzen, die herrliche Lavalandschaft zu genießen und die vorbeiziehenden Nebelschwaden zu beobachten, die den Blick zum Kibo mal mehr, mal weniger freigaben.

5. Tag: Karanga-Camp bis Barafu-Camp

Am nächsten Tag wurde es langsam ernst, denn wir stiegen bis zum Base Camp, dem Barafu-Camp, auf 4640 m Höhe hinauf, von wo aus nachts zum Gipfelsturm geblasen werden sollte. Unser Team aus Guide Fortu und Assistant Guide Ernest erwies sich übrigens als gelungene Kombination! Während Fortu eher ernst und ruhig war und uns jeden Abend ein ausführliches Briefing zum nächsten Wandertag gab, war Ernest eine lebhafte Quasselstrippe. Er kannte wirklich jeden Träger, der uns auf dem Weg nach oben begegnete , brachte uns immer wieder mit seinen Sprüchen zum Lachen und sang auch noch bis ganz oben das berühmt-berüchtigte „Jambo“-Lied (in einer auf den Kilimanjaro angepassten Variante) das uns am Ende der Tour schon zu den Ohren rauskam 😉

6. Tag: Gipfeltag – Auf zum Kibo!

Die Spannung steigt: Nachdem wir vor unserem „Abendessen“ am späten Nachmittag ein Briefing für den Gipfelaufstieg bekommen hatten, hieß es bis Mitternacht „ab in die Schlafsäcke“. Für mich war kaum an Schlaf zu denken, da ich bereits nachmittags nach unserer Ankunft im Base Camp geschlafen hatte und nicht mehr recht einschlafen konnte. Irgendwann gegen Mitternacht ließ mich jedoch das drollig klingende „Hello hello“ von Zakayo, der immer Weckdienst hatte, aus meinem Halbschlaf-Delirium aufschrecken und ich wusste: Jetzt geht’s los! Wir hatten uns bereits vorher alle warmen Sachen, die wir im Gepäck hatten, zurechtgelegt und zogen diese nun Schicht für Schicht an, denn auf dem Weg nach oben sollten Temperaturen von bis zu -15°C plus eisiger Wind herrschen. Es gab noch eine Runde heißen Tee und ein paar Kekse für jeden und dann begannen wir Schritt für Schritt durch die Dunkelheit nach oben zu stapfen. Irgendwann fing ich an meine Schritte zu zählen, um mich wenigstens auf irgendetwas zu konzentrieren. Meine Zehen waren schon nach wenigen Minuten trotz Wollsocken und eigentlich gut isolierten Wanderschuhen tiefgefroren. Und auch das Trinken aus der Thermosflasche wurde zur Qual, da ich meine Handschuhe ausziehen und mit meinen blaugefrorenen Fingern die Flasche aufschrauben musste. Zwischendurch stopfte ich mir einen Nuss-Honig-Riegel rein, den wir Gottseidank in Moshi noch gekauft hatten und Olga schmiss eine Runde Dextroenergen. Wir schoben uns durch die immer dünner werdende eisige Luft in Minischritten nach oben und nach einer halben Ewigkeit sahen wir endlich das Morgengrauen am Horizont. Kurz nach 6 Uhr ging die Sonne auf und wir hatten einen fantastischen Ausblick auf den nahegelegenen Mawenzi-Gipfel, dessen Zacken von Wolken umhüllt waren. Irre! Aber es musste weitergehen. Mit ihren „Almost there“-Ansagen versuchten uns Fortu und Ernest immer weiter nach oben zu „schieben“, nur irgendwann glaubten wir den „Fast da“-Rufen nicht mehr, da sie dies bereits seit einer Stunde sagten 😉 Naja, immerhin kroch nun die Sonne ziemlich schnell hinter dem Horizont hervor und es wurde etwas wärmer. Wir erreichten schließlich gegen 7 Uhr den zweithöchsten Punkt, den Stella Point, auf 5739 m. Dort kurze Fotosession bevor wir weitere 40 Minuten bis zum höchsten Punkt, dem Uhuru Peak („Freiheitsspitze“) auf 5895 m Höhe, auf uns nehmen mussten. Dieser Berggipfel hieß übrigens während der deutschen Kolonialzeit Kaiser-Wilhelm-Gipfel und galt damals als der höchste Berg Deutschlands!

Am Stella Point hatten wir alle noch motiviert in die Kamera gelächelt , die letzten 40 Minuten erwiesen sich, zumindest für mich, als Hölle: Ich wanderte zwar mit offenen Augen zwischen den Steinen und Eiskristallen entlang, registrierte aber kaum noch etwas bewusst in meinem Kopf. Es war wie als würde ich mit offenen Augen schlafwandeln. Die Gletscherlandschaft um mich herum erschien so surreal, ich fühlte mich so müde und erschöpft aufgrund von Unterzuckerung und der extremen Höhe, dass ich mich auf dem Gipfelfoto nur noch zu einem Lächeln quälte. Yasmin und Olga ging es ähnlich. Fortu mahnte dann ziemlich rasch zum Abstieg, da bei so extremer Höhe z. B. die Gefahr eines Lungenödems droht, was lebensgefährlich sein kann.

Bis zurück ins Base Camp waren es über zwei Stunden und wir mussten im Prinzip genau denselben Weg nach unten laufen, den wir nachts sechs Stunden lang nach oben gekraxelt waren. Ich habe bis heute keine Ahnung wie ich diesen Abstieg auf dem rutschigen Kies- und Schotterweg geschafft und mich gleichzeitig auch noch auf Kiswahili mit einem der Träger unterhalten habe. Aber wahrscheinlich hat mich das einfach nur gut wach gehalten. Im Camp angekommen wurde ich mit einem frischgespressten Saft von unserer Crew begrüßt und zum Gipfelaufstieg beglückwünscht. Als Yasmin und Olga auch eingetroffen waren, gab es Mittagessen, dann kurze Siesta und dann mussten wir auch schon noch weiter absteigen. Wir übernachteten so unsere letzte Nacht am Fuße des Kili auf 3790 m Höhe im Millennium-Camp.

7. Tag: Millennium-Camp bis Mweka-Gate

Am nächsten Morgen zelebrierten wir die Trinkgeldübergabe und machten ein paar Gruppenfotos vor dem Kibo-Gipfel. Die Crew gab ein paar traditionelle tansanische Lieder (natürlich durfte auch hier das „Jambo“-Lied nicht fehlen) und Tänze zum Besten und dann hieß es auch schon Packen für den letzten Marsch bis zum Mweka-Gate (1630 m). Wir freuten uns nach der eher skandinavisch anmutenden Landschaft wieder in den tropischen Wald zu kommen und konnten sogar ein paar Affen sichten. An der Endstation angekommen wurden uns die offiziellen Kilimanjaro-Zertifikate ausgehändigt und wir bekamen ein letztes nahrhaftes Mittagessen bevor es per Minibus zurück nach Moshi ging. Dort luden wir Fortu und Ernest noch auf ein Bier im Hotel ein und hatten noch vor der ersten Dusche seit einer Woche unsere weitere Reiseplanung festgezurrt: vier Tage Safari! Aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag!

Ein Gedanke zu “Kilimanjaro – If you can’t climb it, drink it (or better: do both)!

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