Iran-Etappe 3: Die Oasenstadt Yazd – Zoroastrismus und „Krafthäuser“

Yazd war im Rückblick betrachtet meine Lieblingsstadt im Iran und hatte es mir auf den ersten Blick angetan. Vielleicht weil mich die Stadt mit ihren Lehmhäusern so an südmarokkanische Dörfer erinnerte? Und vielleicht auch weil wir so ein schönes Hotel im traditionellen Stil mit Innenhof und Sitztischen hatten, das mich an Usbekistan erinnerte? Auf jeden Fall hatten wir in Yazd äußerst interessante Themen auf dem Programm: Zum Einen war die Stadt einst ein Zentrum des Zoroastrismus gewesen, eine monotheistische Religion, die im 2. Jt. v. Chr. im heutigen Afghanistan enstanden ist,  und zum Anderen hatten wir die Gelegenheit ein sogenanntes „Krafthaus“ (Zourkhane) zu besuchen, dessen sportlich-religiöse Rituale übrigens als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft worden sind. Doch dazu später mehr!

Wir besichtigten in Yazd als Erstes einen zoroastrischen Tempel zusammen mit einem zoroastrischen Guide, der uns die Grundlagen dieser „Religion der Feueranbeter“ näherbrachte. Im Tempel selbst gibt es eine „ewige Flamme“ hinter einer Glasscheibe, die verehrt wird, ein paar Heiligenbilder und ein paar Bücher – recht schlicht eingerichtet also. Nach der Tempelbesichtigung fuhren wir aus Yazd heraus zu den so genannten „Türmen des Schweigens“. Bis zu Zeiten des letzten Schahs hatten die Zoroastrier diese nach oben offenen Türme genutzt, um ihre Toten zu bestatten. Man legte die Toten folglich in die Öffnung und ließ sie von Geiern fressen bis nur noch die Knochen übrig waren. Aus hygienischen Gründen hatte der letzte Schah diese Art der Bestattung jedoch verboten, so dass die Zoroastrier ihre Toten heute in Betongräbern bestatten müssen. Im ganzen Iran leben übrigens nur noch etwa 20.000 Zoroastrier. Die größte Gemeinde befindet sich heute in Bombay,  wobei in ganz Indien heute geschätzt 65.000 Zoroastrier (sie nennen sich selbst „Parsen“) leben.

Am Abend schließlich besuchten wir eine Sportshow in einem sogenannten „Krafthaus“ (Zourkkhane). So was hatte ich noch nie gesehen! Man geht hinein und gelangt in einen runden Raum mit Kuppel und einem Kampfring in der Mitte. Die Wände sind übersät mit religiösen Bannern und Sportlerfotos und überall roch es muffig nach „Käsefüßen“. Eigentlich war dieser Ort dafür gedacht, für traditionelle Ringkämpfe bzw. Selbstverteidigung („Koshti“ und „Varzesh-e pahlavani“) zu trainieren. Die Show, die wir besuchten, war jedoch schon deutlich auf Touristen ausgerichtet gewesen, wird jeden Abend zweimal angeboten und zeigt lediglich Aufwärmübungen, aber keinen richtigen Ringkampf. Aber dieses Warmup war in jeglicher Hinsicht ungewöhnlich: Die Männer trainieren mit ulkig aussehenden, aber furchtbar schweren Holzkeulen ihre Schultern (und sehen deshalb auch sehr „aufgepumpt“ aus) und das alles im Rhythmus eines Trommlers und Sängers, der in einem kleinen Kabuff über dem Ring thront, und die Sportler mit rhythmischen religiösen Formeln antreibt. Ein einzigartiges Spektakel und eine hochinteressante Vermischung aus Sport und Religion. Des Weiteren interessant war es, dass die Männer ab einer bestimmten Zeit anfingen sich im Kreis, wie man es von Derwischen kennt, um die eigene Achse zu drehen. Leider kann ich meine Videos momentan noch nicht hochladen, doch da es sich bei dem Spektakel um ein UNESCO-Weltkulturerbe handelt, gibt es dafür sogar einen offiziellen YouTube Channel.

Ein weiteres interessantes Ereignis in Yazd sind die alljährlich stattfindenden schiitischen Trauerfeiern (Ashura) zum Tod des dritten Imam Husseins. Die dazugehörigen Trauerspiele, vergleichbar mit christlichen Passionsspielen, werden in allen schiitischen Ländern als eine Art Theateraufführung abgehalten und umfassen auch öffentliche Selbstgeißelungen der Gläubigen, wobei es im Iran mittlerweile verboten ist, sich bis auf’s Blut zu geißeln. Die Besonderheit Yazds besteht darin, dass die Männer im Rahmen der Trauerprozession ein einige hundert Kilo schweres Holzgestell (nakhl) herumtragen müssen, das mit religiösen Bannern verziert ist, und sich dabei immer schneller und schneller im Kreis bewegen. In diesem YouTube-Video kann man gut sehen, wie die Prozession in Yazds Nachbarstadt Taft aussieht, wie alle zu dieser Zeit schwarz gekleidet sind und sogar das Stadttor in Schwarz gehüllt wird. Hier könnt ihr euch noch weitere Fotos ansehen.

Zu guter Letzt noch eine Anmerkung zur Architektur: In Yazd sind die Badgir, Windtürme, allgegenwärtig, die trotz des heißen, trockenen Wüstenklimas für Abkühlung in den Häusern sorgen und dir ihr unten auch auf den Fotos sehen könnt.

 

2 Gedanken zu “Iran-Etappe 3: Die Oasenstadt Yazd – Zoroastrismus und „Krafthäuser“

  1. Yazd…. Wie schön. Ich war da auch letztes Jahr bei Ashura. Das Video, welches du verlinkt hast, zeigt allerdings die Nachbarstadt Taft, das ist nicht Amirchakhmagh! Ich habe genau gegenüber des Feuertempels die Strasse rein gewohnt! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s