Ey Iran*, der Einstieg in ein spannendes Reiseland – Etappe 1: Shiraz, auf der Suche nach Rosen, Nachtigallen und Liebe

„Ist das nicht gefährlich?“, „Cool!“, „Musst du da ein Kopftuch tragen?“ – das waren die Reaktionen als ich ankündigte in den Iran zu fahren. Und ja, Statement 2 und 3 haben sich definitiv bewahrheitet – der Iran ist ein tolles, super interessantes Reiseland, in dem allerdings alle (!) Frauen Kopftuch und lange Kleidung tragen müssen. Als ein gefährliches Reiseland würde ich den Iran nicht bezeichnen, zumindest solange man nichts öffentlich gegen das derzeitige Regime äußert. Unterwegs habe ich mich jedenfalls immer sehr sicher gefühlt, selbst um meine Handtasche und Kamera hatte ich keine Angst (okay, auch wenn man in Teheran schon etwas achtsamer sein sollte, hatte ich keine paranoide Diebstahlbefürchtungen wie z. B. in Casablanca).

Aber schön der Reihe nach: Wie bin ich eigentlich zu dieser Iranreise gekommen? In das Land wollte ich schon seit einiger Zeit einmal reisen, da ich mich während des Studiums bereits etwas mit der Kultur, Geschichte und Wirtschaft des Irans befasst und zudem anderthalb Jahre Persischunterricht absolviert hatte. Dann habe ich im Frühling diesen Jahres die Ankündigung einer Iranreise durch den Verein „Alsharq“ im Internet gesehen und hopp, c’était parti! Ich habe mich angemeldet, war beim Vorbereitungstreffen in Marburg, habe meine drei Jahre alten Uniunterlagen vom Persischunterricht durchgeschmökert und dann war auch schon der Abreisetag gekommen. Mit einem Flug von Turkish Airlines (sehr guter Service und super Bordessen!) gelangte ich von Berlin mit einmal Umsteigen in Istanbul nach Shiraz, in die „Stadt der Rosen, der Nachtigallen und der Liebe“. Nach einer Vorstellungsrunde am ersten Vormittag ging die Besichtigungstour auch gleich los: Wir besuchten die Grabstätten der beiden Dichter Hafez und Saadi, quasi Goethe und Schiller nur eben iranisch. Goethe hat aber tatsächlich in seinem Werk des „West-Östlichen Diwans“ Bezug auf Hafez genommen und in Weimar steht sogar ein Goethe-Hafez-Denkmal! Das ist mir dort aber nie aufgefallen! Naja, Reisen bildet!

Zu Hafez, dem Dichter zahlreicher Liebesghaselen, pilgern vor allem junge iranische Pärchen, halten dann Händchen am Grabe des Dichters und lesen sich gegenseitig seine Gedichte aus einer zufällig aufgeschlagenen Seite im Gedichtband vor. Diese Art des Zufallstreffers machen sich auch die Verkäufer draußen vor den Toren des Hafezmausoleums zu Gute: Sie lassen einen Wellensittich (vielleicht eine verkappte Nachtigall?) – dessen Flügel man gestutzt hat, damit er nicht wegfliegen kann 😦 – einen Zettel mit einem Hafezvers und seiner Interpretation aus einem Zettelkasten ziehen und verkaufen dies dann als Orakel. Leider steht’s nur auf Persisch drauf, aber vielleicht mag ja ein persischkundiger Leser so nett sein mir den Spruch mal zu übersetzen, der für mich gezogen wurde …?

Weiter ging’s im Programm mit dem Orangengarten (Bagh-e Narajestan), dessen beeindruckenden floralen (Rosen!) und figürlichen Malereien aus der Moghulzeit stammen und dadurch unweigerlich einen indischen Touch haben. Der Garten erinnerte mich an andalusische Gärten, steht jedoch architektonisch auch mit dem Taj Mahal in Agra, Indien, in Verbindung. Die Wandmalereien des Palastgebäudes sahen zudem mit den Porträtmalereien auch sehr europäisch beeinflusst aus, ein Element, das uns später auch noch in Isfahan begegnen sollte.

Am Nachmittag liefen wir am herrlich schiefen Turm der Zand-Zitadelle vorbei zum Bazar, wo wir ein Gespräch mit einem Teppichhändler hatten und er uns erzählte, wie es gerade um den iranischen Teppichhandel, v. a. unter den derzeitigen Wirtschaftssanktionen, steht. Einen Teppich kaufen mussten wir aber nicht 😉

Bevor wir am nächsten Tag zu den zahlreichen Ruinenstätten in der Umgebung Shiraz‘ aufbrachen, legten wir noch einen Stop in der Nasir-al-Mulk-Moschee, auch „Rosa Moschee“ genannt, ein, zu der ich hier noch ein paar weitere tolle Fotos entdeckt habe.

* „Ey Iran“ ist eine Hymne aus dem Jahr 1946 zu Ehren des Iran und gilt als die inoffizielle Nationalhymne. Den Text gibt’s bei Wikipedia.

 

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