Mombasa – Kulturmix in der größten Hafenstadt Kenias

Von Lamu aus nahm ich wieder den Flieger nach Malindi und von dort aus gleich weiter ein Matatu nach Mombasa, von wo ich einen Direktflug nach Frankfurt gebucht hatte. Aber zunächst wollte ich mir natürlich noch diese Stadt, die zweitgrößte Kenias und größte Hafenstadt des Landes, anschauen. Diese erwies sich jedoch als ziemlich anstrengend: Verkehrsstau an allen Ecken, laut knatternde Tuk-Tuks überall, verpestete Luft und sehr  sehr heiß. Ich war froh, mich am ersten Abend von dem ganzen Trubel in das Terassenrestaurant eines großen Hotels flüchten zu können. Es war gerade die Zeit des Sonnenuntergangs und der Gebetsruf setzte nacheinander von allen Moscheen in der Umgebung ein. Ich fühlte mich kurz an Damaskus erinnert und musste auch am nächsten Tag feststellen, dass die ganze Stadt recht arabisch geprägt ist. Kein Wunder, immerhin waren im 17. Jahrhundert auch einmal die Omanis Herrscher über Mombasa gewesen nachdem sie die Portugiesen vertrieben hatten.

Mombasa ist aber nicht nur sehr arabisch, sondern auch sehr indisch geprägt. Das sieht man zum Einen an den Häusern mit Holzbalkons in der Altstadt und zum Anderen an den zahlreichen Hindutempeln (und vermutlich auch weitere kleinere indische Religionen, mit denen ich mich allerdings nicht gut auskenne) und infischen Restaurants,  die in der Neustadt zu finden sind. Ich wollte natürlich eines dieser indischen, sehr günstigen Restaurants ausprobieren und landete in einem vegetarischen Gujarati-Restaurant. Das sehr leckere und üppige Essen erschien mir um einiges authentischer als das Essen, was man so in indischen Restaurants in Deutschland vorgesetzt bekommt. Aber da ich noch nie in Indien war, ist das nur eine Vermutung. Leider war das Essen dann etwas zu authentisch, denn nachts machte sich mein Magen bemerkbar und auch am nächsten Tag dauerte es bis Mittags bis sich meine Übelkeit wieder gelegt hatte. Ich schonte mich aber keineswegs und besichtigte das Fort Jesus, eine große von den Portugiesen erbaute Festungsanlage mit einem herrlichen Blick über die Bucht, in der Mombasa liegt. Danach lief ich weiter Richtung Altstadt, nachdem ich einen nervigen Touristenführer mit meiner üblen Laune verscheucht hatte. Die Altstadt ist auch mit der in Stone Town zu vergleichen; sie ist jedoch weitaus größer und an einigen Ecken viel runtergekommener als die sansibarische Altstadt.

Das Straßenbild Mombasas ist ebenso bunt gemixt wie die Architektur: Muslimische Kenianer in traditioneller Kleidung (Kanzu und Kofia), bis auf den Augenschlitz komplett in Schwarz verschleierte Frauen, Frauen und Männer in „westlicher“ Kleidung vom kenianischen Innenland, indischstämmige Frauen in Saris, Frauen, v. a. Ältere, in mehrere Kangas eingewickelt, … Auch hier könnte ich einfach nur am Straßenrand sitzen und stundenlang die Leute beobachten. In der Neustadt türmten sich am Nachmittag Straßenstände mit Klamotten- und Schuhbergen auf, wie ich es noch aus Marokko in Erinnerung hatte und alle Verkäufer quatschten mich voll, doch bei ihnen etwas zu kaufen. Aber wie auch? Mein Rucksack war doch schon voll! Am nächsten Morgen nach einem zeitigen Frühstück auf der Dachterasse ließ ich mich zum erstaunlich kleinen Flughafen von Mombasa fahren und hatte prompt schwäbischen Dialekt um die Ohren – Eltern meckerten ihre Kinder voll – und ich realisierte, dass ich mich wohl langsam wieder mit Deutschland anfreunden musste… Und das nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen hatte, da es die Nacht zur Feier der Geburt des Propheten (Maulidi) gewesen war, und mich die nasal-gepressten Gesänge aus der nahegelegenen Moschee vom Schlafen abgehalten hatten…

P.S.: Noch eine letzte Beobachtung: Es war interessant während der Reise den Unterschied zwischen Tansania und Kenia zu erfahren, v. a. auch in der Mentalität der Leute. In Kenia sprachen alle deutlich besser Englisch als in Tansania und äußerten sich oft gleich im ersten Gespräch über politische Themen. Vermutlich ist das kenianische Bildungssystem besser als das tansanische. Die Kenianer erschienen mir in ihrer Art auch direkter und forscher als die extrem höflichen und zurückhaltenden Tansanier. Bzw. hatte auch Nyambura einen Mentalitätsunterschied zwischen der Swahiliküste und dem kenianischen Innenland festgestellt: Sie als Businesslady war auch stets sehr direkt und fordernd anderen gegenüber und haderte oft mit der indirekten Art der Waswahili. Sie meinte, in Lamu würde ein Problem nicht direkt geklärt, sondern erst einmal  alle Umstehenden einbezogen und so aus einer kleinen Sache ein riesen Ding gedreht. Und dann kann man nur reden, reden und verhandeln, um die Sache zu lösen.

Zudem ist in Kenia der Tourismus deutlich besser organisiert als in Tansania. Das sah man schon daran, dass alle Sehenswürdigkeiten von den National Museums of Kenya betreut und mit Infotafeln bestückt werden. So gibt es auch immer Guides, die einem kostenlos die jeweilige Materie näherbringen. Irgendwie war alles ein bisschen organisierter und transparenter als in Tansania. Nun gut, Kenia ist einfach durch den Kapitalismus geprägt und auch wirtschaftlich DER aufstrebende Staat in Ostafrika, Tansania hingegen ist sozialistisch geprägt.

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