Autos müssen draußen bleiben: das Lamu-Archipel

Seitdem mir jemand einmal erzählt hatte, dass Lamu fast wie Sansibar, aber noch konservativer sei, und es dort keine Autos, sondern nur Boote und Esel als einzige Transportmittel gäbe, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dieses Insel-Archipel im Nordosten Kenias unbedingt einmal zu bereisen. Gesagt, getan! Von Malindi nahm ich wieder eine kleine, aber feine „Fly540“-Maschine und flog nach Lamu. Die Straße nach Norden zwischen Malindi und Lamu hat keinen guten Ruf und es hatte bereits Überfälle auf Busse gegeben, so dass ich es vorzog, das Flugzeug zu nehmen, auch wenn das meine Umweltbilanz für dieses Jahr schon deutlich verschlechterte… Im Vorfeld hatte ich mit Couchsurferin Nyambura in Lamu Kontakt aufgenommen, die mir ein Taxiboot organisierte und mich direkt vom Flughafen, der sich auf der Manda-Halbinsel gegenüber von Lamu Town befindet, abholte. Wir steuerten ein Nachbardorf von Lamu Town, Shela, an, in dem Nyambura, eine Schmuckdesignerin aus Nairobi, ihren Shop betreibt (http://www.africancornerexport.com/). Mit ihrer Hilfe fand ich schnell ein günstiges Gästehaus mit einem angeschlossenen supergünstigen und superleckeren Restaurant. Am Nachmittag zeigte mir Nyambura Shela, in dem, wie sie mir erzählte, mehr als 50% Wazungu-Einwohnerquote herrsche. Und richtig: Überall schicke und teure, von Europäern gebaute Strandhäuser und Hotels. Sogar der Prinz von Hannover hat hier zwei Anwesen – sieh an!

Abends fuhren wir mit dem Boot auf eine weitere Nachbarinsel zum Open-Air-Kino. Dort sammelten sich die ganzen neureichen Sprösslinge der hier ansässigen Europäer, US-Amerikaner und Australier, die in der neuesten Mode gekleidet und ordentlich gestylt Zigarre (!) rauchend den Film schauten. Auch die ältere Expat-Generation, vorwiegend ältere Damen, war sehr kurios zu anzusehen mit ihrem Stilmix aus Safari-Klamotten, 80er-Jahre-Brillen und teurem Bling-Bling-Schmuck.

Den nächsten Tag fuhr ich morgens zusammen mit Nyambura in die Stadt, sprich nach Lamu Town, und während sie im Gottesdienst war, besichtigte ich das Stadtmuseum. Die Kirche lag direkt neben dem Museum, so dass mein Ausstellungsbesuch durch schöne Gospelmusik untermalt wurde. Die Geschichte des Inselarchipels ist einfach superinteressant und ich erfuhr auch Neues über Deutschland: So hatte es in Witu, südöstlich von Lamu gelegen, einst ein deutsches Schutzgebiet gegeben. So kam es auch, dass in Lamu ein deutsches kaiserliches Postamt eingerichtet worden war, das bis heute besichtigt werden kann (siehe Fotos unten).

Lamu Town selbst ist UNESCO-Weltkulturerbe und hat vom Stadtbild her viele Gemeinsamkeiten mit Stone Town in Sansibar: ein bunter Architekturmix aus arabischen, indischen, europäischen und afrikanischen Elementen (im Gegensatz zu Stone Town haben die meisten Häuser in Lamu Town spitz zu laufenden Makutidächer, wobei die traditionellen Dächer eigentlich flach und aus Stein waren), enge Gassen und Barazas überall. Letzteres sind die steinernen Sitzbänke, die sich außen an allen Häusern befinden und die ein typisches Merkmal der Swahili-Architektur darstellen. Die Besonderheit in Lamu waren jedoch Barazas, die sich jeweils zur linken und rechten Seite direkt vor einer Hauseingangstür befanden, was ich so in Stone Town nie gesehen hatte.

Neben dem Stadtmuseum besichtigte ich noch Lamu Fort, die wie der Old Fort in Stone Town im omanischen Stil erbaut worden war. Der Guide erzählt mir und Nyambura von einem Kalligraphiewettbewerb (für Arabisch), der jedes Jahr im Rahmen der Maulidi-Feierlichkeiten abgehalten wird. Maulidi? Wer Arabisch kann, streicht das i am Ende weg und erhält Maulid, das Fest zur Geburt des Propheten Mohammad. Ein großes Spektakel in Lamu, das ich leider um wenige Tage verpasste 😦

Auch ansonsten ist Lamu durch viele Festivals und eine große Kreativität geprägt: Es gibt das Lamu Cultural Festival, das Lamu Painters Festival und 2014 zum ersten Mal das Lamu Yoga Festival. In den vielen gallerieartigen Souvenirläden werden Taschen aus alten Segeltüchern und Schmuck, sowie Dekogegenstände und Bilder aus recycleten Flip Flops verkauft, was total cool und farbenfroh aussieht. Hier ein Ansichtsbeispiel: http://www.theffrc.com/products/sculptures

Alles in allem: Lamu ist auf jeden Fall einen Besuch wert und ich hätte gern mehr Zeit gehabt, einfach nur auf der Baraza zu sitzen und dem bunten Treiben auf dem Platz vor dem Lamu Fort zuzusehen.

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