Kunst in der Einöde und das Ende der Welt – Nukus (Hauptstadt der Autonomen Republik Karakalpakistan) und Moynak (ehemaliger Aralseehafen)

Von Khiva aus fuhren wir über Urgentsch weiter nach Nukus, die Hauptstadt der Autonomen Republik Karakalpakistan. Dort wird Karakalpakisch gesprochen und obwohl dies rein vom Schriftbild her nicht weit vom Usbekischen entfernt zu sein scheint, konnten (oder wollten?) die Leute dort unser brüchiges Usbekisch nicht verstehen und Sara musste ihre Russischkenntnisse hervorkramen. Karakalpakisch ist wohl eher mit dem Kasachischen verwandt und die Karakalpaken bilden eine Ethnie, die laut Wikipedia eher mit Südkasachen als mit Usbeken verwandt ist. Von 1932 bis 1991 war die Region als Karakalpakische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik tatsächlich unabhängig und noch heute hat sie ein eigenes Parlament, einen eigenen Ministerrat und eine eigene Flagge. Warum also ein Stop im menschenleeren und von Sowjetarchitektur geprägten Nukus? Dort steht das „Savitsky Karakalpakstan Art Museum“. Savitsky, ein russischer Kunstsammler, hatte jahrzehntelange russische Avantgardemalerei gesammelt, die nicht dem stalinistischen Kunstverständnis entsprachen, und hatte dieser hier im kleinen, weit ab vom Schuss liegenden Nukus ein Museum gewidmet. Es waren echt tolle, farbenfrohe Gemälde zu sehen, nur wenn man bedenkt, dass gerade einmal 3 % der gesamten Sammlung ausgestellt waren, stimmte das schon nachdenklich. Dem Museum fehlt es natürlich an Geld für größere Räumlichkeiten und v. a. für das Marketing, denn der Museumsshop war echt armselig. Aber vor kurzem wurde ein Dokufilm über das Museum gedreht: „The Desert of Forbidden Art“, den ich mir demnächst unbedingt besorgen muss! Neben dem Museum gab es ansonsten auch nichts weiter in Nukus zu sehen und uns werden nur noch der herrliche Muster- und Farbenmix unseres Hotelzimmers und das Abendessen im einzigen Restaurant weit und breit in Erinnerung bleiben, bei dem wir in so eine Art „Kabine“ (winziger Raum mit Tisch) platziert wurden und am Ende dafür auch noch extra zahlen sollten. Einfach nur skurril!

Von Nukus ging es mit dem Taxi weiter nach Moynak. Auf dem Weg dorthin hielten wir aber noch an einem riesigen Friedhof in Khojayli , der nur etwa 3 km von der Grenze nach Turkmenistan entfernt lag. Es war eine richtige Gräberstadt und soll wohl so eine Art Vorstadt zum turkmenischen Konye-Urgentsch („Alt-Urgentsch“) gewesen sein, so es mal ein paar UNESCO-geschützte Ruinen zu sehen geben muss. In Moynak setzte uns der Minibusfahrer am einzigen existierenden Hotel (ohne fließend Wasser!) ab und ich hatte schon bereut nichts zu essen gekauft zu haben. Vom Hotel zubereitetes Abendessen – Fehlanzeige! – und auch in der Umgebung weit und breit kein Laden in Sicht. Zum Glück waren aber gerade auch drei slowakische Jungs im Hotel abgestiegen (bei dem Schäbigkeitsgrad des Hotels muss der Ausdruck „abgestiegen“ einfach verwendet werden), die mit uns Wodka und Honigmelone teilten und uns von ihrem Trip mit eigenem Auto und Gleitschirm an den Aralsee erzählten und uns noch zu einer Nachtwanderung zu den Schiffswracks einluden. Diese habt ihr sicher schon einmal auf Fotos gesehen und am nächsten Morgen konnten wir sie noch einmal bei Tageslicht „bewundern“: Sechs Schiffswracks liegen hier im Sand, säuberlich nebeneinander aufgereiht und von einem Denkmal für den hier nicht mehr vorhandenen Aralsee „gekrönt“. Die Schiffe stehen mittlerweile unter Staatsschutz nachdem andere Wracks schon vollkommen wegen ihres Materials ausgeräubert worden waren.  Es ist echt ein trauriger Ort, denn wenn man die riesige Ebene betrachtet, die vor den Schiffen liegt, hat man förmlich das Gefühl, dass da hinten am Horizont Wasser anfangen müsste. Aber nichts, nur versandete Ebene …  Durch die von den Sowjets eingeführte wasserintensive Baumwollmonokultur in Usbekistan haben die Zuflüsse des Aralsees viel Wasser verloren bzw. wurden viele Pestizide in den See geleitet. Daher trocknete der See nicht nur aus, sondern hinterließ auch Pestizidrückstände auf dem Boden. Dieser versalzte und seine Ausdünstungen verursachen z. B. Tuberkulose und verschiedene Krebsarten bei der vor Ort wohnenden Bevölkerung. Mittlerweile muss man wohl weitere 80 km nördlich fahren, um auf usbekischer Seite überhaupt noch zum Aralsee zu gelangen. Wir machten noch einen kleinen Rundgang durch den tristen Ort und nahmen im Anschluss wieder ein Taxi zurück nach Nukus, von wo wir am zeitigen Abend den Nachtzug nach Taschkent nahmen.

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