Ana shwia mnirvi – khassni nbdl l-jau!

= Ich bin leicht genervt – ich muss mal raus! … Das bedeutet dieser Satz auf Darija. Tja, der Ramadan ist in seiner letzten Woche angekommen und nervt einfach nur noch! Es wird echt Zeit, dass er diese Woche zu Ende geht und man endlich wieder auf der Straße essen und trinken darf und wieder alle Restaurants, Cafés und Kneipen tagsüber auf haben. Obwohl ich nicht mitfaste, habe ich trotzdem oft das Gefühl, dass sich eine gewisse Schwere und Trägheit über den Alltag gelegt hat, die ich so z. B. während der Ramadanzeit in Syrien  nie erlebt hatte. Der Ramadan wird mit dem so genannten „Kleinen Fest“ (3id sghir) abgeschlossen; man könnte sagen, dass es so etwas wie das muslimische Weihnachten darstellt: Die Familien besuchen sich, die Kinder bekommen Geschenke, v. a. neue Klamotten, und es gibt wahnsinnig viel zu essen. So sind dann hier Montag und Dienstag frei, da angenommen wird, dass Samstag oder Sonntag der Neumond gesichtet wird, der den neuen Monat, Schawwal, ankündigt und somit den Fastenmonat Ramadan beendet. Aber das wird erst wieder ganz kurz vor knapp offiziell bekanntgegeben wie schon zu Beginn des Ramadans. Ich werde mich für dieses verlängerte Wochenende jedenfalls nach Spanien verdrücken und Sevilla, Cordóba und Gibraltar (okay, das ist dann Großbritannien) besichtigen.

Hier gibt’s für alle Französischlesenden unter euch auch noch einen interessanten Zeitungsartikel zu einer Gruppe, die sich „Masaymich“ (Ich faste nicht) nennt und sich für die Abschaffung von Artikel 222 aus dem Strafgesetzbuch einsetzt, der das Essen und Trinken von Muslimen in der Öffentlichkeit unter Strafe stellt :

http://www.aufaitmaroc.com/maroc/societe/2012/8/14/les-rebelles-du-ramadan-suscitent-les-critiques_187486.html

Facebook-Gruppe von „Mouvement Masaymnich“: https://www.facebook.com/groups/324972917597130/ (diese Gruppe hat 1982 Mitglieder)

Und natürlich gibt es auch eine Facebook-Gruppe „Anti Mouvement Masaymnich“: https://www.facebook.com/antimouvementmasayminch?filter=1 (diese Gruppe hat 110 Likes)

Hier der Gesetzestext:

„Derjenige, der durch sein Äußeres offenkundig als der muslimischen Religion zugehörig gilt und das Fasten ohne einen durch die Religion erlaubten Grund während des Ramadans deutlich sichtbar in der Öffentlichkeit bricht, wird mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten oder einer Geldbuße bestraft.“

« Celui qui, notoirement connu pour son appartenance à la religion musulmane, rompt ostensiblement le jeûne dans un lieu public pendant le temps du Ramadan, sans motif admis par cette religion, est puni de l’emprisonnement d’un à six mois » ainsi que d’une amende.

Ist natürlich die Frage, wie denn DER typische Muslim so von außen aussieht…

Ansonsten gibt’s hier noch ein paar Eindrücke der letzten Zeit aus Rabat und vom Strand „Plage des Nations“, der echt schön ist, wo aber die Wellen wahnsinnig stark sind:

Vor zwei Wochen lernte ich zudem einen weiteren neuen Kulturaspekt Marokkos kennen: Direkt vor meinem Fenster in meiner Straße wurde ein riesen Zelt für eine Trauerfeier, „Gnaza“ genannt, aufgebaut und dann die erste Trauernacht hindurch von allen teilnehmenden Männdern der Koran rezitiert und Trauerlieder, „Amdah“, gesungen. Das klang eigentlich echt schön, war nur furchtbar laut, so dass ich die halbe Nacht mit Ohrstöpseln schlafen musste. Zwei Tage danach gab es dann noch einmal eine weitere Trauernacht, aber mit deutlich leiseren Gesängen. Hier ein Video zur Veranschaulichung, das ich von meinem Fenster aus aufgenommen habe, und noch ein interessanter Online-Beitrag zur Trauerfeier in Marokko (runterscrollen zum Interview mit Mounia Moussaoui):

http://www.trauerort-duesseldorf.de/wie-wird-bei-euch-getrauert-kulturelle-besonderheiten-im-personlichen-ruckblick/

 

Und wie sieht meine weitere Planung aus?

Nächste Woche werde ich bis Dienstag oder Mittwoch auf Reisen sein und auch keinen Sprachkurs mehr haben. Mein Kopf ist einfach randvoll mit Vokabeln und neuem Wissen, das ich jetzt erst einmal setzen lassen muss. D. h. die Tage bis zum 2. September, an dem ich zurück nach Deutschland fliege, werde ich wohl mit Entspannen, Leute treffen und vielleicht etwas Rumreisen verbringen, insofern es denn meine Finanzen zulassen 😉

Tja und danach ist schon die nächste verrückte Reise geplant: Ich werde nämlich vom 8. September bis 6. Oktober eine Reise nach Usbekistan starten, denn ich habe noch ein DAAD-Stipendium für eine Sommerschule in Samarkand abstauben können, die über das Zentralasien-Institut der Berliner Humboldt-Uni organisiert wird. Da bin ich schon wahnsinnig gespannt drauf, muss mir nur vorher vielleicht ein paar Brocken Usbekisch und Russisch aneignen und v. a. die kyrillische Schrift lernen. Nun gut, diese sollte nicht so schwer wie die arabische Schrift sein! Alles Weitere dann demnächst und wer Reisetips für Usbekistan hat, immer her damit!

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