Gnawa- und Weltmusikfestival in Essaouira

Vom 21. bis 24. Juni 2012 wurde das kleine, gemütliche Küstenstädtchen Essaouira von einer Welle tausender festivalwütiger Leute heimgesucht: Dort fand zum 15. Mal das Gnawa- und Weltmusikfestival statt und auch ich beschloss dorthin zu fahren. Im Vorfeld hatten mich Bilder von Essaouira stark an den bretonischen Küstenort St. Malo erinnert und wirklich: der Architekt, der Franzose Théodore Cornut, war derselbe. Ich hatte dementsprechend auch hohe Erwartungen an den Ort, musste aber etwas enttäuscht feststellen, dass Essaouira zumindest zur Zeit des Festivals nicht viel mit dem entspannten St. Malo zu tun hatte. Schon am Busbahnhof nervten mich die Schlepper mit ihren Hotelprospekten und dann musste ich auch noch mit meinem großen Rucksack durch die Medina zum Hotel laufen, da durch diese kein Taxi fahren kann, und wurde ununterbrochen von jedem Verkäufer angequatscht. Das Hotel mit einer herrlichen Dachterasse war dann zum Glück eine Oase der Ruhe, auf die ich mich dann auch nach einem ersten, wieder nervigen Stadtspaziergang, zurückzog. Abends traf ich mich mit ein paar Couchsurfern, wir hörten die ersten Gnawa-Konzerte auf der großen Bühne am Hafen und – jetzt haltet euch fest – ich ritt zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Kamel. Wurde ja in Marokko langsam auch mal Zeit! Ist schon ein komisches Gefühl, wenn sich das „Tierchen“ zum Aufstehen in zwei Rucks nach oben klappt. Außerdem lief ich an dem Abend tatsächlich einigen Leuten aus Casa über den Weg – Marokko ist doch echt auch ein Dorf! Die meisten Festivalbesucher konnte man gut und gern in die Kategorie „Alternative“ oder „(Alt-)Hippies“ stecken. So viele Dreadlocks, Rastas und bunte Leinenklamotten hatte ich in Marokko noch nie auf einem Haufen gesehen. Wobei Essaouira seit dem Besuch Jimi Hendrix‘ schon immer als „Trou des Hippies“ (Hippienest) galt. Neben den ganzen Touristen war auch sehr viele Einheimische auf dem Festival, da die meisten Veranstaltungen immer kostenlos angeboten werden. So sah man dann morgens um 3 Uhr immer noch Familien mit spielenden Kindern und Oma am Strand. Vor den großen Bühnen allerdings gab es immer sehr viel Gedränge, v. a. durch die großen Gruppen pubertierender männlicher, leider auch ziemlich notgeiler Jugendlicher, die solche Festivals gerne nutzen, um Mädels anzugrabschen und anzulabern – so bei einer Freundin erlebt! Das ist echt so ein nerviger Aspekt, der sich auf vielen großen Musikfestivals in Marokko, z. B. auch auf dem Mawazin-Festival in Rabat, findet und der einem die Laune echt schnell vermiesen kann…

Zurück zur Musik: Damit ihr schließlich einmal nachlesen könnt, was es mit „Gnawa“, der allgegenwärtig in Marokko ist, eigentlich auf sich hat, sei euch der Wikipedia-Artikel dazu empfohlen. Demnächst stelle ich auch noch Videos vom Festival auf den Blog bzw. der eine oder andere aufmerksame Blogleser erinnert sich vielleicht noch an ein Video, das ich im November letzten Jahren hochgeladen habe und auf dem eine Gnawa-Vorführung in Casa zu sehen war.

Den kommenden Freitagmorgen verbrachte ich nach einem Frühstück auf der Dachteresse auf einer sehr interessanten und wahnsinnig emotionalenKonferenz, in der marokkanische Künstler im Rahmen des Festivals über Kunst- und Ausdrucksfreiheit diskutierten. Abends dann traf ich endlich die Leute aus Casa, mit denen ich vereinbart hatte, zum Festival zu gehen: eine große Gruppe Spanier, zwei Französinnen und eine Deutsche. Wir hatten ein paar Mehrbettzimmer in einem Riad gemietet, der zum Glück außerhalb der Medina lag. Den ersten Festivalabend verbrachten wir an der Bühne am Strand (sehr coole Stimmung!) und danach in einem echt schlechten Touriklub mit scheußlicher Musik nahe der Medina. Den nächsten Tag starteten wir mit ausgiebigem Frühstück, Medinabesuch und Baden im Pool, sofern dies nicht wegen des ständigen Windes zu kalt war. Für die alizee-Winde nämlich ist Essaouira sehr berüchtigt, was die Stadt auch eher zu einem Surfer- denn zu einem Badeparadies macht. Abends dann waren wir wieder auf den Festivalkonzerten, u. a. bei dem senegalesischen Sänger Carlou D., und coolen Elektro-Gnawa-Klängen am Strand unterwegs. Leider gab es Sonntagmorgen noch keine Festivalkonzerte, so dass eine Gruppe angesichts des langen Rückweges schon mittags entschied mit dem Auto Richtung Casa aufzubrechen. An der Raststätte in Marrakesch erschlug uns die trockene Wärme fast und auch die Landschaft kam schon sehr an eine Wüstenlandschaft heran.

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