Weihnachtsstimmung und Schnee (!) in Ifrane, der „marokkanischen Schweiz“, und Abstecher nach Meknès

Nachdem wir, Nathalie, Sarah und ich, Freitagabend erst einen Schweizer, nämlich David, zu seiner Abschiedsparty in Rabat besucht hatten, ging es Samstagmittag in die sogenannte „marokkanische Schweiz“ nach Ifrane. Diese Bergstadt ist in den 1920er-Jahren von den Franzosen gebaut worden und diente in Sommermonaten als ihr Rückzugsort vom zu heißen Fes, der alten Hauptstadt Marokkos. Bei unserer Ankunft in Ifrane wurde uns prompt auch der Temperaturunterschied bewusst: Hier waren sicher 10°C weniger als in Casa *brrr*, wo die aktuellen Temperaturen bei etwa 17°C liegen. So exotisch wie wir als vermutlich einzige Ausländer in Ifrane waren, da der Ort mittlerweile nur noch als Urlaubsziel von Marokkanern dient, so surreal kam uns die ganze Stadt vor: Künstliche Fachwerkhäuser, spitze Dächer mit roten Dachziegeln und überall geschniegelt blanke Fußwege und Häuserfassaden umgeben von bewaldeten Bergen. Eine langsame Vorbereitung für uns auf Europa? Bzw. Sarah hatte ständige Assoziationen mit einem kanadischen Skiort, wo sie einmal gewesen war. Es sollte noch „besser“ kommen: Beim Frühstück am nächsten Morgen im Hotel (Frühstücksraum: rustikaler Dorfrestaurantstil) und der dudeligen Hintergrundmusik kam bei uns Dreien tatsächlich Weihnachtsstimmung auf und als wir dann noch aus dem Fenster schauten, „Sag mal, ist das wirklich Schnee da draußen?“ – „Ja!!!“, war die Harmonie perfekt. Naja fast jedenfalls, wenn uns nicht der cholerische Wutausbruch eines marokkanischen Ehepaars gegenüber dem Hotelpersonal zurück in die Realität geholt hätte. Überhaupt war die Sprache in diesem scheinbar so europäischen Idyll ein Paradox, denn viele Leute konnten gar kein Französisch und so durfte ich mal wieder mein vernachlässigtes Darija aus der hintersten Gehirnecke kramen und uns ein Grand Taxi nach Meknès organisieren. Wir beschlossen nämlich vor Schneesturm und Kälte zu fliehen und uns noch einen Tag die Stadt anzuschauen. Dort angekommen liefen wir vom Busbahnhof aus zur Medina und flohen vor dem einsetzenden Regen über den El-Hedim-Platz in das sehr schöne Dar-Jamaï-Museum. Der El-Hedim-Platz ist übrigens echt witzig, denn durch die kleinen Menschengrüppchen rund um irgendwelche Schlangengaukler und Trötenmusikanten herum, hat man das Gefühl, einen Abklatsch des großen Platzes Jamaa El-Fna von Marrakesch vor der Nase zu haben. Auch im Museum war es witzig: Der rauchende Museumswärter ließ schon darauf deuten, dass das „Rauchen verboten“-Schild wohl nicht so ernst gemeint war und dies übertrugen wir dann zurecht auch auf das „Fotografieren verboten“-Schild 😉 Der Museumswärter nämlich kam extra auf uns zu, um selbst Fotos von den Museumsräumen für zu schießen und öffnete für eine weitere Fotosession sogar noch ein traditionelles Empfangszimmer, in dem wir uns positionieren durften (und dabei wahrscheinlich den Teppich aus dem 19. Jahrhundert mit unseren Straßenschuhen einsauten…). Bei meinem nächsten Besuch im Sommer in Meknès werde ich dann  noch ein paar weitere Teile der Stadt erkunden. Für uns hieß es erst einmal „Safi“ (genug) für dieses Wochenende und Zugrückfahrt nach Good Old Casa.

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