Journées du Patrimoine: Casa von seinen schönsten und interessantesten Seiten

Manch einer von euch hat vielleicht schon ungeduldig „mit den Hufen gescharrt“, wann es denn meinen nächsten Blogeintrag gibt: Et voilà, hier ist er! Leider hat mir in letzter Zeit nämlich Maroc Telecom ein bisschen die Lust am Onlinegehen genommen: Nachdem nämlich ein Tiefseekabel zwischen Marokko und Spanien unterbrochen worden ist, war die Internetverbindung hier einfach nur grässlich langsam und an Skypen kaum zu denken (sorry für die Geduldsprobe an alle, die es versucht haben!).
Nun aber mal wieder ein Bericht aus Casa, wo vom 6. bis 8.April die sogenannten Journées du Patrimoine, das heißt, die Tage des Kulturerbes stattfanden. Sie ähnelten sehr dem Tag des Denkmals, der jedes Jahr im September in Deutschland stattfindet. Im Vorfeld hatte ich mich bei dem Verein „Casamémoire“, der sich für die Erhaltung der einzigartigen Architektur von Casa einsetzt und versucht, das Stadtzentrum als UNESCO-Weltkulturerbe schützen zu lassen, als Guide angemeldet. Es gab im Vorfeld der Kulturerbetage mehrere Schulungen zu Landes- und Stadtgeschichte, sowie der Architektur Casas und am Tag X, für mich der 7. April, hieß es dann Guide-T-Shirt an und Position vor dem Zentralmarkt (Marché Central) beziehen. Ich erklärte dort das Architekturensemble des Boulevard Mohammed V, ein bisschen etwas zur Geschichte des Zentralmarktes und zum Hôtel Lincoln, von dem aus Mangel an Restaurierungsmaßnahmen leider nur noch die brüchige Fassade steht. Nach morgendlicher Flaute kamen nachmittags richtig viele Leute, sowohl Touris als auch Einheimische, mit denen man sich auch nach der Führung immer noch sehr nett unterhalten konnte. Am späten Nachmittag sammelten mich dann Nathalie, Nadia und Matías (Besuch von Nadia) ein und wir stiegen endlich einmal auf das Dach der Sacré Coeur, eine ehemalige Kirche, die heute als Ausstellungsraum dient und gleich bei mir zu Hause um die Ecke liegt. Was sich uns bot war ein herrlicher Blick über das dreckig-weiße Häusermeer Casas in der Abendsonne. Einfach sehr beeindruckend!!!
Im Anschluss besuchten wir „Rick’s Café“, das dem Café aus Michael Curtiz‘ „Casablanca“ nachempfunden ist und (natürlich) von einer Amerikanerin betrieben wird. Das Interieur ist wirklich richtig schön und natürlich durfte der obligatorische Fernseher mit „Casablanca“ in Dauerschleife nicht fehlen. Über die Preise in diesem Touricafé reden wir lieber nicht…

Den Sonntag schließlich war ich nicht als Guide, sondern als Besucher bei den Kulturerbetagen unterwegs und unternahm mit Nathalie von den Ancien Abattoirs, den alten Schlachthöfen, aus eine geführte Bustour ins Industrieviertel Hay Mohammedi, in dem insbesondere die Architektur der ehemaligen Arbeiterwohnungen interessant ist. Diese wurden in den 50er-Jahren von Ecochard entworfen, einem Stadtplaner, der auch in Damaskus und im Libanon gewirkt hat. In Casa herrschte nämlich schon immer chronische Wohnungsnot und so entwarf er Wohnungen à la „so viele Leute wie möglich auf engstem Raum wohnen lassen“ und baute Wohnblöcke mit 8x8m-Fläche pro Familie. Die waren zwar nicht hübsch, aber praktisch. Etwas schönere Gebäude gab es dann im Habous-Viertel zu sehen, dass wir nachmittags abklapperten. Abends ging es noch einmal zu einer Tanzvorführung zurück in die alten Schlachthöfe. Ein rundum erlebnisreiches Wochenende!

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