Marrakesch: Immer wieder einen Besuch wert, vor allem, wenn gerade die „Marrakech Biennale“ stattfindet

Gut Ding will Weile haben. In diesem Sinne verzeiht mir meine Blogabwesenheit der letzten Zeit! 3aindi khadma bezzef hada esa3a! (Ich habe gerade viel zu tun!)

Das erste Märzwochenende war ich nämlich mal nicht in vorwiegend touristischer Absicht in Marrakesch unterwegs, sondern in professioneller. Nikola und ich arbeiten gerade schon wieder an der neuen Ausgabe der Kammerzeitschrift, die sich mit der Filmindustrie in Marokko befasst, ein Thema wie geschaffen für mich, und so hatte ich Freitag und Samstag einige Interviewtermine mit marokkanischen Filmschaffenden ausmachen können. Diese waren gerade aufgrund des Festivals der zeitgenössischen Kunst, „Biennale Marrakech“ in der Stadt und so konnte eine Dienstreise in den Süden gerechtfertigt werden  🙂 Die vollständigen drei Interviews werde ich nach und nach auch hier auf meinem Blog veröffentlichen, denn sie geben einen interessanten Einblick in das marokkanische Kino von heute. Aber Transkription (vor allem aus dem Französischen), Zusammenkürzen und Übersetzen brauchen ihre Zeit, daher gerade meine scheinbare Abwesenheit von der Internetbühne. Zudem werde ich noch einen Artikel zur aktuellen Situation der Kinosaalkrise in Marokko schreiben, aber das hebe ich mir, denke ich, für nach dem Urlaub auf. Im Moment sind nämlich gerade zwei Freunde aus Jena zu Besuch, mit denen ich über ein verlängertes Wochenende in den Süden Richtung Dadestal und Todraschlucht aufbreche.

Auf jeden Fall haben die Interviews wahnsinnig viel Spaß gemacht! Ich habe mit dem marokkanischen Filmkritiker und Journalist Mohammed Bakrim, dem marokkanischen Filmschaffenden Faouzi Bensaïdi und einem Produzenten einer deutsch-marokkanischen Filmproduktions- und –verleihfirma, Kamal El Kacimi, gesprochen. Unglaublich, wie leicht man hier Zugang zu solchen Leuten erhält, die zudem sehr sehr nett waren und sehr erfreut über die Interviewanfrage waren. Falls es bei den Cinéphilen unter euch beim Namen Faouzi Bensaïdi irgendwo klingeln sollte, dann präzisiere ich, dass dieser Regisseur vor kurzem auf der Berlinale für seinen Film „Death for sale/ Mort à vendre“ den Art et Essai-Filmpreis erhalten hat.

Neben dem Beruflichen konnte ich mir, wenn man schon mal wieder da ist, ein bisschen Tourismus nicht verkneifen und entdeckte diesmal drei absolut lohnenswerte Sehenswürdigkeiten (Paketpreis von 60 Dirham, ca. 6 €): Die Medersa Ali Ben Youssef, eine ehemalige Koranschule und laut Lonely Planet wohl damals die größte in Nordafrika, die Koubba Ba’adiyn, eine Grabstätte aus dem 12. Jahrhundert, und das beeindruckende Musée de Marrakech. Ich fragte mich, warum ich vor ein paar Jahren eigentlich fast 20 € Eintritt für die Alhambra in Granada bezahlt hatte, denn was ich hier mit den drei Stätten vorfand, war fast noch einmal eine Steigerung an Prächtigkeit. Doch damit nicht genug: Im Rahmen der Biennale schaute ich mir ein paar Ausstellungen im Königlichen Theater (Théâtre Royal) und im Dar Bellarj, einem ehemaligen Storchenkrankenhaus, an und besichtigte schließlich noch den Palais El Badi, der wegen einer frühen Plünderung zwar recht kahl aussieht, aber mit seiner Weite und den vielen Störchen auf den Mauern trotzdem beeindruckt. A propos Störche: Die gefiederten Freunde hatte ich ja bereits zuhauf in der Chellah in Rabat angetroffen. Offensichtlich haben sie in Marokko eine wichtige Bedeutung, denn ich zitiere meinem Lonely Planet: „Die Art, wie die Störche niederknien und sich „verbeugen“, um sich in ihre Nester zu setzen gilt als Symbol für das muslimische Gebet. Störche werden daher als glücksverheißende und fromme Vögel betrachtet.“ Auf Arabisch heißt der Storch hier „Bellarj“ bzw. kenne ich aus dem klassischen Arabisch auch „Laqlaq“, was vermutlich eine Lautmalerei für das Schnäbelklappern ist. So, wieder was gelernt!

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