Safi – Sardinen, Phospat und Keramik

„Safi“ meist gefolgt von „Baraka“ heißt auf Darija eigentlich „genug“ bzw. „es reicht“, wenn  man z. B. beim Einkaufen klar machen will, dass man keine weiteren Sachen nehmen will. Der Name der Stadt „Safi“, in der ich letztes Wochenende unterwegs war, hat damit allerdings gar nichts zu tun. Denn ihr Name lautet auf Arabisch „Asfi“, was in der Berbersprache „Flut“ heißt und dann als „Safi“ latinisiert worden ist. Soviel mal wieder zu den linguistischen Vorbetrachtungen meines Reiseberichts 😉

Safi ist in Marokko nicht gerade als Touristenziel bekannt, sondern eher Durchgangsstation vieler Touristen auf dem Weg nach Essaouira, um dort noch ein paar schöne bunte Stücke Keramik zu erstehen, die hier produziert werden. Es gibt einen ganzen „Collines des Potiers“ (Töpferhügel), wo man den Töpfern live bei der Arbeit zuschauen und die ganzen Keramikbruchstücke an den Wänden bewundern kann. Außerdem gibt’s in Safi ein sehr schönes Töpfermuseum, wobei diese Eigenschaft eher auf das Museumsgebäude als die Ausstellung an sich passt, denn die war von der museumspädagogischen Aufarbeitung nicht so der Knaller und die Exponate oft schlecht ausgeleuchtet.

Wofür Safi aber vor allem bekannt ist, ist ihr Ruf als Industriestadt, denn hier werden Phosphate abgebaut und vom Hafen aus exportiert, sowie Sardinen in großen Mengen gefischt und verarbeitet. Den sehr ursprünglich wirkenden Charakter der Industriestadt mit nur wenigen Touristen bekommt man auch auf der Straße zu spüren, wo ich öfter meine brüchigen Darijakenntnisse zur Anwendung bringen konnte. Auch das Hotel, das ich mir für eine Nacht gebucht hatte, schien nicht wirklich oft auswärtige Besucher zu haben. Der trantütige Rezeptionist zeigte keinerlei Serviceorientierung (hat man in Marokko leider öfter, dass der Kunde eben nicht König ist – vielleicht liegt’s daran, dass es schon einen König hier gibt ;-)) und auch das Hotelzimmer Stil „Gefängniszelle“ (aber immerhin mit fliederfarbenen Wänden) hätte spärlicher nicht eingerichtet sein können. Immerhin war es sauber. Aber die Hellhörigkeit der Wände bekam ich am nächsten Morgen zu spüren, als die Putzfrauen wie eine schnatternde Entenschar durch die Gänge liefen und lautstärketechnisch genauso gut hätten direkt in meinem Zimmer stehen können…

Neben dem Töpferhügel und dem Keramikmuseum gab es in Safi noch eine schöne Medina zu besichtigen und später war ich noch ein bisschen auf dem Suk shoppen. Doch so charmant mir Safi am ersten Tag noch erschienen war, so nervig fand ich sie Sonntagmorgen, da mich auf einmal ständig Leute (natürlich nur Männer) anquatschten , was sich den ganzen Tag fortsetzen sollte, obwohl ich mich mittags in den Bus nach El Jadida setzte und dort den Nachmittag gechillt in einem Café direkt am Meer verbrachte. Allein als ich für die Rückfahrt nach Casa einfach nur im Busbahnhof in El Jadida saß und lesend auf den Bus wartete, hätte ich schon eine Strichelliste für jeden Einzelkommentar von vorbeigehenden Männern führen können. Ätzend!!! Naja, auf Reisen ist man halt immer als Tourist zu erkennen; in Casa kann ich auf der Straße mittlerweile gut „untertauchen“ und erlebe auch mal kommentarlose Tage. Mal sehen, was uns am Wochenende so erwartet; da fahre ich mit ein paar Mädels wieder Richtung Safi, diesmal allerdings nur bis Oualidia, wo wir ein Ferienhaus am Strand gemiete haben 🙂

P.S.: 1. gute Nachricht: Es wird wieder wärmer! Sprich: Die Wärmflasche unter der Bettdecke und eine Strumpfhose unter der Hose kann ich künftig weglassen.

P.S.: 2. gute Nachricht: Es ist Erdbeerzeit in Marokko! Jetzt dürft ihr alle mal neidisch werden 😉

 

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