Internationale Buchmesse in Casa (SIEL 2012) und erneuter Ausflug in die Hauptstadt

Gerade findet in Casa die sogenannte SIEL 2012, die internationale Buchmesse, statt. Ich hatte mir ja in Deutschland schon immer einmal vorgenommen, auf die Leipziger oder Frankfurter Buchmesse zu gehen, aber diesen Plan nie realisiert. Daher wollte ich die Gelegenheit natürlich hier nutzen und besuchte die Messe letzten Samstag. Ich war sehr positiv überrascht, wie groß die Messe war und wie viele Leute dort unterwegs waren, denn angesichts einer Analphabetenrate von etwa 50 % (!) in Marokko ist Bücherlesen nicht sehr selbstverständlich. Generell schauen die meisten Marokkaner, so mein Eindruck, ohnehin eher lieber Filme als dass sie Bücher lesen.
Auf der Messe waren alle möglichen Verlagshäuser aus der arabischen Welt präsent, darunter Saudi-Arabien als Ehrengast mit großem pseudohistorischem Messestand in der Mitte des Ausstellungsgebäudes und interessanterweise auch drei syrische Verlagshäuser. Ansonsten waren natürlich sehr viele französische Verlagshäuser, einige spanische, britische und amerikanische Verlage mit einem Stand, sowie alle sich in Casa befindlichen ausländischen Kulturinstitute anwesend. Viele deutsche Bücher gab es allerdings nicht 😉 Die Messe scheint jedenfalls deswegen so gut besucht zu sein, weil hier die Möglichkeit besteht, Fachbücher und auch alle anderen Sorten Bücher in großer Auswahl und guter Qualität zu kaufen, was viele Buchläden nämlich oft nicht gewährleisten können.
Nachdem der Samstag also recht intellektuell begonnen hatte, endete der Abend eher weniger intellektuell mit einer WG-Party bei einem GIZ-Praktikanten 😉 Es stellte sich mal wieder heraus, wie klein die Welt doch ist: Ich traf bei dieser Party meinen halben Darijakurs (alles Spanier) und habe, glaube ich, an diesem Abend so viel Spanisch wie noch nie geredet. Mit entsprechend Alkohol klappte das dann auch ganz gut 😉

Sonntag stand (mal wieder) ein Ausflug nach Rabat auf dem Programm. Nathalie, Sara (Praktikantin am Goethe-Institut von Casa) und ich trafen dort David, der wiederum gerade ein Praktikum bei der Schweizer Botschaft absolviert und uns fachkundig durch die Stadt führte. Wir besuchten zuerst die sogenannte Chellah, eine Art Festung, auf deren Gelände sich Reste der alten römischen Siedlung Sala Colonia und eine merinidische Totenstadt (Meriniden = Berberdynastie in Marokko von 1244 bis 1456 an der Macht) aus dem 13. Jahrhundert befinden, in der einige merinidische Sultane und islamische Heilige (Marabouts) begraben liegen. Ein traumhaft ruhiger Ort, an dem man nur das Schnäbelklappern der vielen Störche, die hier in Scharen nisten, hört. Jeden Sommer gibt es in der Chellah übrigens das Jazzfestival „Jazz au Chellah“ (http://www.jazzauchellah.com); da muss ich unbedingt versuchen, vorbeizuschauen!

Nach der Chellah liefen wir bis zum Hassanturm, bei dem ich bereits schon einmal gewesen war. Diesmal allerdings war auch das Mausoleum offen, in dem der Vater (Hassan II) und der Großvater (Mohammed V) des jetzigen marokkanischen Königs begraben liegen. Eine sehr schöne und prunkvolle Grabstätte mit einer Leibwächergarde in knallig-bunter, fast theatral wirkender Tracht.
Zu guter Letzt stand ein Abstecher in die Kasbah auf dem Programm. Wir waren vollkommen von der türkis-weißen Farbgebung der Gassen fasziniert und so konnte uns dieser Enthusiasmus auch über den schlechten (da viel zu süßen, also wirklich viel zu süßen!) und viel zu teuren Pfefferminztee hinwegtrösten. Aber immerhin hatte man einen herrlichen Ausblick vom Kasbah-Café auf die Nachbarstadt Salé.
Am Ende dieses herrlichen Tages waren wir uns einig, dass die AHK dringend von Casa nach Rabat verlegt werden sollte!

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