Und sonst so: „Paul“ vs. Derb Khallef, Besuch in Mohammedia und Forum de Rabat

Verangenes Wochenende standen mal wieder ein paar Erlebnisse in der näheren Umgebung von Casa bzw. Casa selbst auf dem Programm: Samstag das Kontrastprogramm zwischen einem Frühstück bei der französischen Kette „Paul“, wo sich die Casawi-Schickeria (Casawi = Leute aus Casa) und viele Expatriots (v. a. Franzosen und Spanier, sowie unsere deutsche Wenigkeit) treffen und das „Sehen und gesehen werden“-Spiel verfolgen und dem schmuddeligen Schwarzmarktviertel Derb Khallef. Dort bekommt man jegliche Computerprogramme, Technik- und Elektroniksachen (Handys, Laptops, etc.), aber auch Klamotten, schwarzgebrannte Filme und Musik, die man sich nur wünschen kann. Der ganze Krempel wird an teilweise überdachten Marktständen und Wühltischen in engen Gassen verkauft, zu denen man sich durch die Menschenmassen hindurch durchdrängeln muss und dabei immer ein Auge auf Handtasche/Jackentasche/Rucksack haben sollte.

Der Abend endete im Rahmen von Jakobs  Abschiedsfeier mit ziemlich viel Alkohol, ziemlich schief gesungenen Liedern und einem späten Besuch im „Armstrong“, einem Club an der Corniche, in dem eine herrlich „abgelederte“, also in die Jahre gekommene, Rockband spielte 😉

Den Sonntag nutzte ich um endlich einmal meine Vermieterin Nizou in Mohammedia zu besuchen, einem kleinen Ort, der mit dem Bus ca. 30 min. östlich von Casa an der Küste liegt. Nizou arbeitet dort als Englischlehrerin und erwählte mir so viele interessante Dinge über das marokkanische Bildungssystem. Wir machten eine kleine Stadttour, passierten den herrlichen Strand der Stadt, der besonders bei Surfern beliebt ist, aßen Fischplatte in einem überdachten Imbiss in der Medina (Altstadt), tranken Kaffee und quetschten uns nachmittags durch den überfüllten Suk (Markt). Mohammedia war mal wieder ein herrlicher Ruhepol im Gegensatz zu Casa und natürlich auch, was nicht schwer ist, um einiges sauberer und grüner als ihre Nachbarmetropole. Mohammedia hat ihren Namen übrigens erst 1959 zu Ehren eines Besuch von König Mohammad V (Großvater des jetzigen Königs Mohammed VI) erhalten und hieß vorher „Fedala“.

Am Mittwoch war ich dann über die Handelskammer zusammen mit den anderen beiden Praktikanten Nathalie und Jakob auf dem „Forum de Rabat“, einer Konferenz zur innerafrikanischen Integration, auf der u. a. die innerafrikanische Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich diskutiert wurde. Die Panels waren sehr interessant, die Referenten hatten es rhetorisch echt gut drauf, so dass ich viel mitnehmen und lernen konnte, und – ganz wichtig 😉 – das Buffet war einfach hervorragend! Ein „Betriebsausflug“, der sich echt gelohnt hat!

Seit drei Wochen nehme ich jetzt übrigens Sprachunterricht in Darija, dem marokkanischen Arabisch, am Cervantes-Institut von Casa. Es macht seeeeehr viel Spaß, die Leute aus dem Kurs sind sehr nett und lustig und ich kann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: nämlich Darija lernen und gleichzeitig Spanisch wiederholen, da alle Kursteilnehmer außer mir Spanier sind und alle Erklärungen in einem Mischmasch aus Spanisch, Darija und Französisch gegeben werden. Das fabriziert in meinem Kopf manchmal einen ganz schönen linguistischen Knoten und vor allem die Zahlen auf Darija bereiten allen Kursteilnehmern immer ganz schöne Knoten in der Zunge!

Dieses Wochenende werde ich dann erstmalig seit drei Monaten wieder europäischen Boden unter den Füßen haben, da ich wegen meiner Visumsverlängerung in die spanische Enklave Ceúta am Nordzipfel Marokkos ausreisen muss. Bin schon sehr auf den Kulturkontrast gespannt!

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