Tanger, der Ort, an dem Herkules die Erde spaltete, …

… Afrika von Europa trennte und somit die Meerenge von Gibraltar entstehen ließ. Die Bezeichnung „Gibraltar“ stammt übrigens vom arabischen „Djabal Tariq“ab, was „Berg Tariq“ heißt und den Fels von Gibraltar bezeichnet. Wer bei „Tanger“ allerdings an eine andere „Spalte“ denkt 😉 dem sei gesagt, dass der Ort dem arabischen Buchstaben „Jim“ entsprechend „Tanjer“ ausgesprochen wird.

Soviel zunächst zur mythologischen und etymologischen Vorgeschichte von Tanger, wo ich letztes Wochenende mit Nathalie unterwegs war. Nun ja, von Nathalies Gesellschaft hatte ich leider nur Sonntags etwas, denn sie musste Samstag wegen eines fiesen Magen-Darm-Virus‘, der hier gerade grassiert, das Bett hüten. Zum Glück hatten wir aber ein sehr nettes spanisch-marokkanisches Couchsurfingpärchen gefunden, für das dies kein Problem darstellte.

Der eigentliche Grund nach Tanger zu fahren war mal wieder der Besuch eines Filmfestivals. Wie schon bei dem Filmfestival in Marrakesch konnte man sich eine Akkreditierungskarte besorgen und damit alle Filme gratis ansehen. Ich war so am Samstag mit meiner Couchsurferin Carmen und einigen spanischen Freunden von ihr im Cinéma Rif alias Cinémathèque de Tanger. Bei dem Festival liefen ausschließlich marokkanische Filme, mal mehr („Omar m’a tuer“), mal weniger gut („Le Scénario“). Die meiner Meinung nach weniger guten Filme werde wahrscheinlich nur ich (und andere Westeuropäer) als solche empfinden, denn sie sind in der typischen Form der „Musalsal“ gedreht, also die für Europäer übertrieben theatralisch und künstlich erscheinende arabische Fernsehsoap, die ich schon mehrfach in Syrien gesehen hatte. Aber interessant waren die Filme trotzdem!

Die Stadt Tanger selbst hatte ihren ganz eigenen Flair, der sich schwer in Worte fassen lässt, aber der „Charme des Zerfalls“ ist schon mal ein treffendes Stichwort, um sie zu beschreiben. Es gibt wie in allen marokkanischen Städten die stadtmauergesäumte Medina (Altstadt) mit einer Kasbah (bewohnte Zitadelle) und extra-muros die „Nouvelle Ville“ (Neustadt). Letztere stapelt sich auf dem hügeligen Untergrund Tangers in engen Gassen und einigen großen Plätzen (z. B. Grand Soco mit der Cinémathèque), um zum Meer und dem Fährhafen hin wieder abzufallen. Mit der Fähre ist man dann in etwa 35 Minuten in Spanien und kann es von einem Aussichtspunkt in der Stadt sogar sehen. Östlich von Tanger wird zudem gerade der größte Tiefseehafen Afrikas, „Tanger Med“ gebaut und der König investiert viel, um die Stadt als Touristenziel wiederzubeleben, da sie bisher offensichtlich keinen guten Ruf genießt. Naja, mir hat sie jedenfalls gefallen, vor allem die türkisen Taxis mit gelbem Streifen ;-)! Bald werde ich zudem wieder in der Gegend sein, denn Ende Januar heißt es Ausreisen für die Visaverlängerung; dann geht es in die spanische Enklave Ceúta.

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