Tour im Hohen Atlas rund um Ouarzazate

Am zweiten Weihnachtsfeiertag starteten wir, Göran, sein Vater und ich, per Mietauto in den Hohen Atlas, wo wir bis Donnerst unterwegs sein sollten. Montag fuhren wir von El Jadida mit kurzem Stop in  Marrakesch über den Pass Tichi n’Tichka nach Ouarzazate (sprich „Warsasatt“ wegen der komischen französischen Umschrift des Arabischen). Die Stadt selbst ist nicht sehr hübsch, denn sie wurde in den 1920ern von den Franzosen als perfekt durchgeplante Garnisonsstadt aufgebaut. Aber nach dem Abzug der Franzosen in den 1950er Jahren hielt das Filmgeschäft Einzug und die Stadt wurde zu „Ouallywood“, der wichtigsten Filmproduktionsstätte Marokkos. Logisch, dass wir am Dienstag einen Abstecher ins hiesige Filmmuseum machten, in dem wir täuschend echte Requisiten betreten konnten: eine Kirche, die an das Panthéon in Paris erinnerte (nur um einiges kleiner war), ein Kellerverließ, ein mittelalterliches Schlafgemach, usw. Außerdem hatte auch schon die Lehmkasbah (Kasbah = eine Art Zitadelle oder befestigte „Wohnfestung“) Ouarzazates als Drehkulisse hergehalten („Star Wars“), ebenso wie die Kasbah Aït Benhaddou, die wir am nächsten Tag besichtigten, und die u. a. in den Filmen „Prince of Persia“, „Lawrence of Arabia“, „Gladiator“, „Die Mumie“, sowie unzähligen Jesus- und Bibelfilmen zu sehen ist. Screenshots zum Beweis können gerne an mich geschickt werden – ich war bisher zu faul zur Nachforschung 🙂

Mittwoch besichtigten wir neben Aït Benhaddou viele weitere Lehmkasbahs auf dem Weg bis an den Sahararand bei M’Hamid. Das Herrlichste auf dem Weg war die vielfältige Landschaft – Autokino quasi – um beim Film zu bleiben. Aber auch die Bauweise der Kasbash war absolut faszinierend. Wenn man darin rumspazierte hatte man das Gefühl auf Pappmaché spazieren zu gehen. Teilweise sind diese Lehmkasbahs noch bewohnt, wie zum Beispiel auch die UNESCO-Weltkulturerbestätte Aït Benhaddou. Doch die meisten Kasbahs können nicht von einer finanziellen Unterstützung profitieren und verfallen zunehmend, da die Lehmschichten eigentlich jedes Jahr neu aufgetragen werden müssten, da sie bei jedem Regen und anderen Witterungseinflüssen abgetragen werden.
Am Donnerstag hieß es leider schon Abschied von der frischen Gebirgsluft nehmen, auch wenn ich gut auf den Nachtfrost verzichten konnte, und den Rückweg nach Casa antreten. Bis Marrakesch musste allerdings ein weiterer spektakulärer Pass, der Tizi n’Test, überwunden werden. Er schlängelte sich den Hohen Atlas rauf und runter und das mit besonders engen, größtenteils unbefestigten Straßen aber auch grandioser Landschaft. Ich denke, die Bilder sprechen für sich!
Für alle linguistisch interessierten Blogleser noch eine Namenserläuterung: Da in Südmarokko Berbergebiet ist, haben die Pässe und die meisten Orte Berbernamen. So heißt „Tizi“ „Pass“, das „n'“ kennzeichnet die Genitivverbindung zwischen erstem und zweitem Namensbestandteil und der zweite Teil (hier „Techka“ und „Test“) ist einfach ein geografischer Name. Die Berbersprache Amazigh, die erst seit einigen Jahren offiziell in Marokko in der Schule unterrichtet werden darf und verschriftlicht wurde, unterteilt sich in drei Dialekte, Tamazight, Tafelhit und Taschelhit, wobei im Süden Tamazight gesprochen wird.
Auf dem Weg nach Marrakesch besichtigten wir noch die (nicht mehr genutzte) Moschee Tinmal aus dem 12. Jahrhundert, die mit deutscher Beteiligung renoviert wurde und auch bei der UNESCO mit der Bitte auf Aufnahme ins Weltkulturerbe an die Tür klopft.
Ab Freitag hieß es dann wieder arbeiten, auch wenn auf Arbeit sehr wenig los war und ein Drittel der Arbeitszeit für das traditionelle Couscousessen draufging 😉

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