Ein typisch marokkanischer Tag

Damit ihr mal in etwa erfahrt, was das Leben hier für mich an einem normalen Tag bereithält, ein kleiner Einblick in den heutigen Tag, dessen Abendverlauf ich als typisch marokkanisch bezeichnen würde: Wie ihr ja sicherlich gelesen habt, ist mein marokkanisches Handy gerade kaputt. Ich habe es vor genau einer Woche am Montag in den in Casa wohlgemerkt einzigen (!)  Laden des Telefonanbieters Médidel gebracht, in dem man sich um Reparationen kümmert. Zum Glück liegt dieser relativ in der Nähe meiner Wohnung. Noch voller Optimismus, doch bereits mit leiser, negativer Vorahnung gehe ich heute also wieder in besagten Handyladen, um mein repariertes Handy („Es ist in einer Woche fertig.“) abzuholen. Nach zaghafter Anwendung meiner Drängelkünste, ohne die man in Marokko sonst nirgendwo an die Reihe kommt, strecke ich der Dame am Schalter meinen Reparaturbeleg hin. Sie geht in einen anderen Raum und kommt, wie ich es schon fast geahnt hatte, schulterzuckend zurück und meint, das Handy sei noch nicht da. Ich halte ihr ein zweiminütiges Pamphlet auf Französisch, dass das ja wohl nicht sein kann, dass das ja kein Service ist und dass ich bereits seit einer Woche ohne marokkanisches Handy bin, weil vor einer Woche (natürlich) auch kein Ersatzhandy verfügbar war. Sie starrt mich minutenlang regungslos an wie als müsste ich ihr nun sagen, was zu tun sei. Letztendlich muss ich mir zerknirscht eine neue SIM-Card kaufen, damit die Frau mich morgen auf einer marokkanischen Nummer anrufen und durchgeben kann, wenn das reparierte Handy da ist. Sie fügt noch hinzu, ich hätte doch dieses Angebotspaket aus Handy und SIM-Card erst gar nicht kaufen sollen, weil der Handyhersteller immer Probleme bereite. Na merci dafür, dass sie mir das nicht vorher gesagt haben, denke ich, und gehe fluchend über die Unfähigkeit von Méditel nach Hause. Eine Rückerstattung für die extra gekaufte SIM-Card bzw. das kaputte Handy und damit entstehende Kosten auf meinem deutschen Handy werde ich mir (hoffentlich) beim nächsten Mal erstreiten, auch wenn das schwierig werden dürfte…

Um den Ärger zu vergessen, will ich 19 Uhr endlich einmal in das kleine Sportstudio bei mir um die Ecke gehen und am Aerobickurs teilnehmen. Ist zwar nicht meine Lieblingssportart, aber wie ich am Empfang dort erfahren habe, gibt es leider nur Aerobic- oder Kampfsportkurse (ganz im Gegensatz zu den zehn verschiedenen Sportarten, die an der Außenmauer auf einem Plakat stehen…). Also, das kleinere Übel… Eigentlich hatte ich am Empfang einen Kursbeginn von 19 Uhr in Erfahrung gebracht, doch als ich um diese Zeit dort ankomme, läuft der Kurs schon. Bevor ich gleich wieder sauer werden kann, stürmt der Trainer auf mich zu, fragt mich, ob ich „die Neue“ bin und ob meine Freundin, die sich für den Taekwondokurs interessiere auch noch komme. Ich bin ganz verblüfft darüber, dass die Empfangsdame ihn doch so gut über meine und Nathalies (andere AHK-Praktikantin) sportliche Ambitionen zu informiert haben scheint. Ich soll also gleich mitmachen und habe nach vier Wochen ohne Sport auch echt zu kämpfen, auch wenn ich nach der Stunde ein Lob vom Trainer bekomme 🙂 Schließlich endet der etwas verkorkste Tag doch noch positiv: Der Trainer meint, ich könne Mittwoch doch auch mal zum Bauchtanzkurs vorbeikommen. Ich dachte natürlich nach Auskunft der Empfangsdame, dass es einen solchen gar nicht gibt, und war nun umso mehr positiv über diese Neuigkeit überrascht. Tja, in Marokko muss man unerwartete Dinge einfach erwarten. So werde ich Mittwoch also auch bei diesem Kurs vorbeischauen, wenn er denn stattfindet, insha’allah…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s