Marrakesch, die „rote Stadt“

Das vergangene, wegen des Unabhängigkeitstages am Freitag mal wieder verlängerte Wochenende stand Marrakesch auf dem Programm, das etwa 3 Stunden mit Bus oder Zug südwestlich von Casablanca liegt. Ich fuhr mit dem staatlichen Busunternehmen CTM Freitagmorgen in aller Herrgottsfrühe nach Marrakesch, kam gegen 10 Uhr an und traf mich gleich mit Fati, einer Couchsurferin, bei der ich die nächsten Nächte untergebracht war. Sie kam während der nächsten Tage auf all meinen Entdeckungstouren mit und so hatte ich netterweise einen privaten Guide im Gegensatz zu vielen anderen Touristen, die oft Mühe haben, sich die so genannten „faux guides“ (falsche Guides) vom Halse zu halten. Die vielen Touristen in Marrakesch waren ja noch zu ertragen, was mich aber sehr nervte, war, dass alle immer nur am Geld interessiert waren: Taxifahrer, Händler und Wärter von Sehenswürdigkeiten – alle denken offensichtlich, die Touristen haben einen Goldesel in der Garage stehen… Gut, dass ich mit Fati, also einer Einheimischen, meine Einkäufe auf dem verwinkelten Suk erledigen konnte, denn sie handelte für mich immer die „richtigen“ Preise heraus. So erstand ich das nur in Marokko produzierte Arganöl, das man für Haut und Haare verwenden kann, sowie schwarze Seife, die mit ihrem hohen Anteil an Olivenöl relativ schmierig, aber sehr gut für die Haut ist.

Am Freitagnachmittag trafen wir dann noch zwei recht kuriose Bekannte von Fati: Mahfoud und Said, zwei Gärtner berberischen Ursprungs (zu den Berbern in Marokko schreibe ich später mal Genaueres), der eine mit extrem starkem Hang zum Philosophieren und Diskutieren (anstrengend!), der andere eher schweigsam, zumindest konnte er kaum Französisch, so dass ich mich aufgrund meiner noch beschränkten Darija-Kenntnisse (marokkanisches Arabisch) kaum mit ihm unterhalten konnte. Jedenfalls waren beide mit dem Auto unterwegs und nahmen uns mit auf eine Tour zum Skiort Oukhaimeden im Hohen Atlas. Die Landschaft war mal wieder wunderschön und die Berge sehr beeindruckend! Weniger lustig war hingegen die Rückfahrt nach Marrakesch in der Dunkelheit auf den engen, serpentinenartigen Passstraßen ohne Absperrung …

Samstag und Sonntag standen schließlich ganz im Rahmen der Sehenswürdigkeiten Marrakeschs. Die Stadt hat unglaublich viele schöne Gärten und Parks, wobei der Jardin Majorelle wohl zu den abgefahrensten Exemplaren gehört. Der Garten wurde vom Modeschöpfer Yves Saint-Laurent angelegt, ist mit hunderten exotischen Pflanzen vollgestopft und mit knallgelben, knallorangenen und dunkelblauen Farbelementen (Blumentöpfe, Villa, Fliesen, etc.) gesprenkelt. Wer Genaueres nachlesen will, schaue auf folgenden Link: http://www.art-magazin.de/kunst/39906/yves_saint_laurent_marrakesch.

Außerdem besichtigte ich noch den Bahia-Palast, die Saaditengräber, wobei mich deren Entourage sehr an die Palastanlage der Alhambra in Granada, Spanien, erinnerte, das jüdische Viertel „Mellah“ (die Bezeichnung stammt von arab. „milh“ = Salz, da die Juden Marrakeschs im Mittelalter mit Salz handelten), sowie natürlich den großen Platz Jamâa El Fna, der mit seinem allabendlichen Gauklerspektakel zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt:

Zu guter Letzt musste ich mal wieder feststellen, dass die Welt ein Dorf ist! Denn zwei Tage vor meiner Abreise nach Marrakesch schrieb mir Manuel, mit dem ich im Sommer als Reisebegleiter auf Nordkaptour unterwegs gewesen war, dass er auch just an diesem Wochenende in Marrakesch Urlaub macht. Fati und ich trafen Manuel samt seinen sieben Mitreisenden Samstagnachmittag, schlenderten über den Suk, wobei Fati wieder sämtliche Einkäufe managte, und gingen noch Abendessen mit lecker Tajine und Harira, der typischen Suppe hier.

Casablanca empfing mich Sonntagabend mit Regenschauern und seeartigen Pfützen überall auf den Straßen. Ich muss mir dringend Gummistiefel zulegen, denn die letzten Tage blieb das Wetter leider so 😦

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