Stadteindrücke aus Casablanca

Im heutigen Eintrag findet ihr nun endlich ein paar mehr Bilder von Casablanca. Ich wusste ja schon vor meiner Reise hierher, dass die Stadt nicht gerade schön sein sollte. Und ja, es stimmt, mit dem Filmmythos hat die Stadt nicht viel zu tun, zumal der Film 1942 fast komplett im Hollywoodstudio entstanden ist… Aber an wenigen Stellen in der Stadt finden sich Hinweise auf den  Film, wie ein Filmplakat in einem Kino bei mir um die Ecke und „Ricks Cafe“ (http://www.rickscafe.ma/), das im Stile des Cafés im Film eingerichtet ist. Bei meiner Stadtbesichtigungstour am vergangenen Wochenende standen Nathalie (weitere AHK-Praktikantin) und ich bereits davor, aber die Preise haben uns dann doch zu sehr vom Reingehen abgeschreckt. Überhaupt ist hier alles recht teuer, auch die Lebensmittel, wenn man nicht gerade auf den Suk in die alte Medina geht. Teilweise sind die Preise durchaus mit denen in Deutschland vergleichbar, manche Produkte wie zum Beispiel Markenkosmetikprodukte haben echt französisches Preisniveau und auch Essen in Cafés oder Restaurants wird bei meinem mickrigen Praktikumsbudget nicht oft drin sein.

An sich gibt es in Casa wenige „richtige“ Sehenswürdigkeiten wenn man von der riesigen Moschee Hassan II absieht, die direkt am Meer liegt und je nach Reiseführer die angeblich weltweit zweit- oder drittgrößte Moschee der Welt nach Mekka und Jakarta sein soll. Sonntag nahmen Nathalie und ich an einer Führung teil, ohne die man nicht in die Moschee reinkommt, es sei denn man „verkleidet“ sich als Muslim und geht zur Gebetszeit rein. Innerhalb einer Stunde werden so Touristengruppen aufgeteilt nach verschiedenen Sprachen durch die Moschee geschleust. Unser Guide übernahm sowohl französische als auch deutsche Gäste. Er sprach vollkommen enthusiastisch beim französischen Teil, der deutsche Teil hingegen klang wie als hätte er den Text bei Google Translater samt gruseligem Satzbau auswendig gelernt. Er ratterte Zahlen um Zahlen zur Moschee herunter und ließ natürlich unerwähnt, dass die Moschee Anfang der 1990er unter anderem mit Zwangsabgaben der armen Bevölkerung finanziert und unter zahlreichen tödlichen Arbeitsunfällen gebaut wurde. Das Gebäude an sich war aber schon sehr beeindruckend und die Ausmaße wurden uns draußen auf dem betonierten Vorplatz erst richtig bewusst als wir den weiten Weg zur Straße zurückgehen mussten.

Neben der Moschee lohnt es sich noch den kleinen alten Stadtkern (Medina) von Casa zu besichtigen, auf dem jeden Tag Markt stattfindet und sich viele kleine Geschäfte in den engen Gassen drängen. Weiterhin gibt es in der Gegend, in der ich wohne, zudem zahlreiche Jugendstilhäuser, die während der Protektoratszeit ab Anfang der 1910er-Jahre stattfanden und vor allem auf französische Architekten zurückgehen. Es gibt hierzu auch eine interessante, aber nur französische, Homepage des Vereins Casamemoire: http://www.casamemoire.org/.

Rund um den Boulevard Zerktouni, an dem die Handelskammer liegt, boomt das moderne Businessleben mit Hochhäusern, riesigen Werbeflächen, Banken an jeder Ecke und einem großen Einkaufscenter, dem „Twin Center“ (dem Taxifahrer sagt man nur „Les Twiiiin“). Und weil die Leute offensichtlich noch nicht genug konsumieren wird an der Corniche direkt am Meer Ende des Jahres die größte Einkaufsmall Afrikas, die „Morocco Mall“ (http://www.moroccomall.net/) eingeweiht. Auch nahe der Altstadt gibt es eine Fußgängerzone vollgestopft mit Geschäften und Cafés, so habe ich den Eindruck, gibt es auch an jeder Ecke. Nathalie und ich haben es Samstag noch gewagt, an einem der Straßenstände Schnecken zu essen. Man kann nur die Soße oder wirklich eine ganze Schale voll mit Schnecken nehmen und nun ja, ihr ahnt es bereits, mein Magen war damit nicht allzu glücklich und die erste Magenverstimmung stand ins Haus. Nathalie jedoch hatte keine Probleme. Naja, mittlerweile geht es mir wieder gut und so konnte ich gestern auch vom herrlichen Buffet bei einer Windenergiekonferenz, die die Handelskammer organisiert hatte, profitieren 🙂

Trotz der riesigen Dimensionen der Boulevards kann man im Zentrums Casas übrigens alles zu Fuß erlaufen, was ich auch stets mache, um den grässlichen Verkehrsstaus zur Rushhour zu entgehen und das ewige Warten in einem miefigen Taxi zu vermeiden. Zum Glück wird gerade eine Straßenbahnstrecke gebaut, die das tägliche Verkehrschaos ab 2013 abmildern soll. Generell haben mir schon viele Marokkaner erzählt, dass Casa im Gegensatz zu anderen Städten des Landes recht schmutzig ist und die meisten verbindet wohl eine Hassliebe mit dieser lauten, stressigen Stadt. Soweit also ein erster Eindruck von Casa für euch! Ab morgen Abend werde ich über das verlängerte Wochenende (am Freitag ist Unabhängigkeitstag) nach Marrakesch fahren und nächste Woche weiter berichten.

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