„Hammelfest“ in der Region Sefrou & Besuch in Fès

 

Wie angekündigt war ich über vergangenes Wochenende das erste Mal auf Reisen: Ich war in die Nähe von Fès, in der Region Sefrou, bei Redouane, den ich bei der Wohnungssuche in Casa getroffen hatte, zum „Hammelfest“ bei seiner Familie eingeladen worden. Nach etwa fünfstundiger Zugfahrt traf ich Sonntagnachmittag in Fès ein und dann ging es per „Petit Taxi“ in das Heimatdorf von Redouane im Mittleren Atlas, wobei mir der genaue Name leider entfallen ist… Ich wurde gleich mit einem leckeren Hähnchengericht, selbstgebackenem Brot, megasüßem Tee und selbstgemachtem Festtagsgebäck empfangen, wobei wir uns mit der Familie im Wohnzimmer vor dem Fernseher versammelten. Dieser lief auch die folgenden zwei Tage ununterbrochen und zeigte makaber-lustige Werbespots über die bevorstehende Schafsschlachtung, sowie Konzerte traditioneller andalusischer Musik, die in großen Orchestern gespielt wird. Wie solche Konzerte in etwa aussehen, könnt ihr euch hier anschauen:

Montagmorgen hatte dann das letzte Stündlein für den von der Familie gekauften Hammel geschlagen: Nach dem Gebet gegen 9.15 Uhr muss das Schaf traditionellerweise geschlachtet werden. Die meisten Familien lassen dies mittlerweile extern von einem Schlachter vornehmen und holen nur noch das Fleisch und die Innereien bei ihm ab. Da ich aber wirklich auf dem Dorf war, wurde das Schaf hier direkt auf der Terrasse geschlachtet. Ein Nachbar der Familie kam mit dem Schlachtermesser vorbei, das Schaf wurde von Redouane und einem seiner Cousins aus dem Badezimmer, wo es morgens untergebracht worden war, auf die Terrasse gezerrt und ihm dort die Kehle durchgeschnitten. Von Ekel und Neugierde zugleich angetrieben habe ich mir die ganze Prozedur tatsächlich einmal angeschaut, werde hier aber angesichts der „zarten Gemüter“ meiner Blogleser und meiner vielen Vegetarierfreunde auf Details verzichten. Ein paar Fotos gibt es aber trotzdem. Als das Schaf geschlachtet war, wurde es von der Terrasse in die Wohnung geholt und baumelte dort bis zum Tag meiner Abreise an einem Haken von der Decke, wobei immer wieder Fleischstücke abgeschnitten und zubereitet werden. Ich habe mich komischerweise schnell an diese für mich absurde Situation gewöhnt, in der ich immer wieder an dem aufgehängten Fleischklumpen im Flur vorbeigehen musste. Am ersten Tag des Festes gibt es traditionellerweise immer alle Innereien des Schafs zu essen und draußen wurden überall Schafsköpfe gegrillt. Dieser Gestank vermischte sich noch mit dem der abgezogenen Schafsfelle, die teilweise einfach am Wegesrand rumlagen, und war echt widerlich. Zum Glück aß Redouane wie ich auch keine Innereien und so war es für mich nicht ganz so peinlich diese eigentliche Delikatesse abzulehnen. Ein paar Fleischspieße habe ich dann aber schon gegessen, obwohl ich echt kein Hammelfleischfan bin.

Vor- und Nachmittags machte ich dann mit Redouane einen Ausflug in die Umgebung und wir liefen sogar bis zum nächsten Dorf. Die Landschaft war einfach beeindruckend und dann tauchten am Horizont auch noch die Berge des Mittleren Atlas aus! Traumhaft schön! Aber es war die meiste Zeit auch relativ kalt, obwohl die Sonne schien. Und da die marokkanischen Dorfhäuser keine Heizung aufweisen, saßen wir immer mit vielen Schichten Klamotten und Decken auf dem Sofa. Den restlichen Tag kamen immer wieder Familienangehörige auf einen kurzen Besuch vorbei und Redouanes geschätzte 100 Cousins bekamen dann, wenn sie noch jünger waren, immer etwas Geld geschenkt. Am Dienstag schließlich wollten Redouane und ich abends mit dem Bus nach Casa zurückfahren und vorher noch Fès besichtigen. Sie ist die drittgrößte Stadt Marokkos und die älteste der vier so genannten „Königsstädte“ (die anderen drei: Rabat, Meknès, Marrakesch) des Landes. Man kann sich herrlich in der alten Medina mit ihren wahnsinnig engen Gassen verlieren und da die Stadt noch nicht so touristisch überlaufen wie zum Beispiel Marrakesch ist, herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Leider hatte die von einer andalusischen Architektur geprägten Gartenanlage wegen des Feiertages zu, aber immerhin konnten wir den immer noch intakten jüdischen Friedhof der Stadt besichtigen. Der komplett betrunkene Wärter am Einlass begrüßte mich sogar auf Deutsch 😉 Ich will irgendwann im Laufe meines Marokkoaufenthaltes unbedingt noch einmal für ein paar Tage länger in die Region fahren – vielleicht ja mit einem von euch, wenn ihr mich besuchen kommt!

Ein Gedanke zu “„Hammelfest“ in der Region Sefrou & Besuch in Fès

  1. Hi Conny,
    wie immer echt klasse Fotos! Das mit dem Hammel hätte ich aber nicht haben müssen… Viel Spaß weiterhin! Gabi

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