J’ai fini – Fazit meines Uniaufenthaltes

Seit gestern Nachmittag „habe ich fertig“! Das heißt: Ich habe gestern meine letzte Klausur geschrieben und kann mich jetzt an meinen Ferien erfreuen, die bis Oktober dauern werden 🙂
Das hieß gestern auch: Ich habe wahrscheinlich zum letzten Mal in einem Hörsaal der Université Rennes 2 gesessen. Aber sentimental hat mich das keinesfalls gestimmt, denn obwohl ich nun zwei Semester an dieser Uni verbracht habe, kann ich nicht sagen, dass ich mich je besonders mit ihr identifiziert habe. Ich habe während der Veranstaltungen eben kaum französische Studenten, sondern vielmehr sämtliche Erasmusleute kennengelernt bzw. saß in manchen Kursen auch einfach alleine da. Denn ab dem zweiten Semester hatte ich es teilweise richtig satt, wieder neue Kontakte mit Franzosen in den Univeranstaltungen zu machen, denn ich wollte nicht zum 5000. Mal erklären, woher ich komme, ob es mir in Rennes bzw. Frankreich gefällt, etc. Das ist nämlich auf Dauer echt anstrengend!
Die zwei Semester begleiteten zudem ein Paradox: Auf der einen Seite hatte ich das Gefühl, so viele Sachen wie noch nie zuvor an der Uni gelernt zu haben, doch auf der anderen Seite nervte mich das ganze Unisystem gegen Ende immer mehr an.
Ich kann sagen, dass ich durch die Unikurse in „Arts du Spectacle: Cinéma“ (Spektakelkunst: Kino) einen guten Überblick über die gesamte Filmgeschichte in verschiedenen Ländern erhalten habe, dazu interessante neue Dinge über Filmtheorie, Kinoforschung und die Beziehung zwischen Kino und Politik erfahren habe. Ich habe richtig gemerkt, wie sehr ich mich für diese ganzen Themen begeistern konnte, was auch daran lag, dass ich hier einfach die Zeit und die Möglichkeit hatte, mir viele Filmklassiker auszuleihen und sie mir zu Hause in der Originalversion anzuschauen. Ich bin wirklich cinéphile geworden! Bereits während der Kurse habe ich wahnsinnig viel an Wissen mitgenommen, was wahrscheinlich auf die französische Studienmethodik „Kopf senken, Maul halten und Mitpinseln“ zurückzuführen ist. Dadurch, dass keine Skripte, wie meist in Jena, existieren, war ich gezwungen sämtlichen Stoff aufzuschreiben. Dazu musste ich natürlich genau verstehen, was der Prof da vorn überhaupt erzählt. Ergo: Ich habe besonders aufmerksam zugehört, um erstens der französischen Sprache und zweitens dem Inhalt zu folgen um schließlich meine Notizen zu machen. Eigentlich keine schlechte Methode, denn wenn der gesamte Stoff schon als Skript vorhanden ist, lasse ich mich viel schneller dazu verleiten zu quatschen bzw. abzuschalten. Nach einem Unitag mitpinseln allerdings, tat mir dann schon ordentlich mein Mittelfinger weh!
Was allerdings das Unisystem generell betrifft, freue ich mich wirklich sehr wieder darauf nach Deutschland zurückzukehren! Wie ich ja schon geschrieben habe, herrscht in Frankreich Frontalunterricht, alle schreiben (in kompletten Sätzen – immer wieder ein Graus!) brav mit und jegliche Diskussionen und Nachfragen werden so weit es geht vermieden. Nacharbeiten oder Sekundärliteratur lesen kennen die wenigsten, denn es reicht ja schließlich was der Prof einem vorbetet.
Doch nicht nur die Art zu lehren ging mir auf die Nerven. Auch die ganze Uniorganisation hat mich immer wieder mal verzweifeln lassen, auch wenn sie längst nicht so schlimm ist wie beispielsweise in Chile, was ich auf Jonas‘ Blog ja regelmäßig nachlesen kann. Die Sekretariate und auch das Büro der Internationalen Beziehungen haben unmögliche Öffnungszeiten (meist nur 3 Stunden am Nachmittag) und wenn ich dann doch einmal ein solches Büro aufsuchen musste, konnte ich eigentlich fast sicher sein, dass irgendwo an der Tür ein Zettel klebte mit einer Nachricht, warum das Büro gerade heute nicht geöffnet ist. Gerade heute hatte ich wieder dieses „Glück“ mit dem Büro der Internationalen Beziehungen :-S
Den Umstand, dass kein elektronisches Vorlesungsverzeichnis existiert und man sich sämtliche Veranstaltungen per Aushang heraussuchen muss, wobei man den Aushang natürlich auch erst einmal finden muss, hatte ich ja am Anfang des ersten Semesters bereits geschrieben.
Und dann auch diese Sache, dass die Uni mit bombastischen drei Druckern für was weiß ich wie viele tausende Studenten ausgestattet ist und tatsächlich die Mehrheit der Unicomputer keine USB-Schnittstelle hat. Ts, ts …
Naja, aber ich muss auf jeden Fall ein großes Lob an die Mediatheque aussprechen, die ein wahnsinnig reiches Filmrepertoir besitzt und dass man in der Unibibliothek alle Bücher ausleihen kann, was ja in Jena leider nicht der Fall ist.
Und ich glaube auch, dass die Uni im künstlerischen Bereich doch einiges zu bieten hat. Es gibt eigene Filmstudios, Ateliers für die angewandten Künste und in Folge dessen viele Pflichtpraxisseminare, wobei ich mich im Nachhinein ein bisschen ärgere diese nicht wahrgenommen zu haben. Aber ich dachte eben, dass ich mir dafür nicht so viel Arbeit machen will und zudem ja auch häufig nicht an der Uni war, weil ich rumgereist bin.
Tja, so sieht’s also aus. Es war einfach mal an der Zeit ein Fazit zu ziehen.

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