Reisebericht – 1. Station: Lyon, Stadt des Lichtes

So ihr Lieben, heute werde ich mal mit einem ausführlichen Reisebericht anfangen, damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, was ich in den Winterferien so alles erlebt habe.

Erst einmal vorweg: Es war echt eine der besten Reisen, die ich je unternommen habe und das dank Hospitality Club, also die Leute, bei denen ich immer kostenlos übernachtet habe. Die waren alle supersympathisch und gastfreundlich, haben mir ihre Stadt und die Umgebung gezeigt, mich zum Essen eingeladen bzw. bekocht, usw.

lyon1.jpg   lyon2.jpg   lyon4.jpg   lyon5.jpg

Am 21. Februar, ein Donnerstag, ging’s los und nach etwa 5-stündiger Zugfahrt erreichte ich Lyon. Sofort merkte ich, dass ich im Süden angekommen war: Hellgelbe und –orange Häuser, rote Ziegeldächer und milde Temperaturen. Ich ließ mein Gepäck am Bahnhof und marschierte los, um die drittgrößte Stadt Frankreichs mit den zwei Flüssen (Rhône und Saône) zu erkunden. Die Lage an den Flüssen macht die Stadt wirklich zu etwas besonderem – ich war total begeistert, vor allem von den vielen kleinen Brücken, die über die Saône führen und den historischen Teil Lyons (Vieux Lyon – Altes Lyon) und das moderne Stadtzentrum (Presque’Ile – Halbinsel) verbinden. Jemand erzählte mir später, dass Lyon ähnlich wie Budapest sein muss, aber ich war leider noch nicht in Budapest …

lyon3.jpg   lyon6.jpg   lyon7.jpg   lyon10.jpg

Danach schlenderte ich über den schon mehr am Stadtrand liegenden Boulevard des Etats-Unis (Boulevard der Vereinigten Staaten) und schaute mir die erstaunlichen Hausmalereien an den HLM (Habitation à Loyer Modéré – Sozialwohnung) an. Und als Filmfreak musste ich danach natürlich das nahe liegende Institut des Brüder Lumière aufsuchen. Louis, einer der beiden Brüder, hatte in Lyon nämlich den Kinematographen (griech. kinein = bewegen & graphein = schreiben, daher unser Wort „Kino“) entwickelt, ein Gerät, mit dem man sowohl Filme aufnehmen als auch projizieren kann. Und es war auch in Lyon, wo die Lumières schließlich ihren ersten Film aufnahmen, der die Mitarbeiter der Lumière-Fabrik beim Verlassen des Fabrikgebäudes zeigt.

bv-etats-unis.jpg   lumieres1.jpg   lumieres2.jpg Straße des ersten Films

Zum Institut gehörte eine herrschaftliche Villa mit Museum und ein Garten, in dem Drucke der von den Lumières realisierten Farbfotos, die so genannten Autochrome, ausgestellt waren. Alles war sehr gut aufbereitet und hochinteressant!

lumieres3.jpg   lumieres4.jpg

Am Abend traf ich mit Plattfüßen bei den ersten Hospitality Clubbern ein. Obwohl mein eigentlicher Gastgeber gerade als Skilehrer in den Bergen unterwegs war, hatte er mir sein Zimmer (25 m² – ein Luxus im Gegensatz zum Wohnheim!) überlassen und seinen Mitbewohnern Bescheid gegeben.

Am nächsten Morgen tat ich etwas für meine Kondition und stieg den Stadtberg zum Viertel Fourvière hinauf. Dort gab es eine mosaikverzierte Kirche zu sehen, was so einige Touristen angelockt hatte, und die Reste römischer Amphitheater sowie ein ehemaliges Aquädukt.

fourviere1.jpg   fourviere5.jpg   fourviere2.jpg   fourviere3.jpg   foruviere4.jpg

Wieder unten in der Stadt sah ich mich im Vieux Lyon um, der zu meinem Lieblingsstadtteil werden sollte. Schmale Gassen mit Häusern in mediterranen Farben mit vielen kleinen Geschäften, Cafés und den für Lyon typischen Bouchons (eigentliche Übersetzung: Korken oder Deckel). Das sind Restaurants mit der regionaltypischen Küche und einigermaßen moderaten Preisen. Es kann sich aber nicht jedes Restaurant „Bouchon“ nennen, da gibt es strenge Auswahlkriterien. Was weiterhin sehr typisch lyonnais ist, sind die so genannten „Traboules“. Das Wort stammt wahrscheinlich aus dem Lateinischen von „trans“ – zwischen und „ambulare“ – spazieren und es handelt sich um Gänge, durch die man zwischen den verschiedenen Wohnhäusern umherspazieren kann.

lyon8.jpg   lyon9.jpg   vieux-lyon.jpg   hof.jpg   bouchon.jpg

Leider hatte sich bei meinem Abstieg vom Fourvière-Hügel meine halbe Wasserflasche in meiner Tasche entleert 😦 Mit Taschentüchern konnte ich das Schlimmste verhindern. Mein total durchnässtes Buch konnte ich zumindest in einer Bäckerei, wo ich Halt machte, antrocknen lassen, denn die Verkäuferin bot mir an, es ein bisschen in den Ofen zu legen 😉

Den Tag schloss ich mit einem Besuch in einem Miniatur- und Filmdekormuseum ab. Die hatten doch tatsächlich das Filmdekor aus „Das Parfüm“ ausgestellt, das direkt nach dem Dreh in München nach Lyon befördert worden war. War schon eine bisschen unheimliche Atmosphäre im Museumskeller, in dem sogar eine schwarze Katze umherhuschte.

 das-parfum.jpg

Den Samstag verbrachte ich schließlich im Musée des Beaux Arts (Museum der Schönen Künste), das zu meiner Freude kostenlos war und nach der Besichtigung mit einem schönen Innenhof zum Ausruhen einlud. Abends führte es mich noch einmal zum Lumière-Institut, wo es eine Filmretrospektive zu John Ford, dem großen Westernregisseur, gab. War sehr amüsant und das Kino herrlich gemütlich!

croix-rousse2.jpg   croix-rousse3.jpg   croiy-rousse13.jpg   croix-rousse1.jpg

Tja, und dann war auch schon der letzte Tag in Lyon gekommen. Ich lieh mir ein Fahrrad aus, da meine Füße langsam nicht mehr mitmachen wollten, und fuhr am Rhône-Ufer entlang bis zum Messegelände und machte danach Station im Tête d’Or (Goldkopf), ein großer Park mit botanischem Garten und Zoo. Lyon war übrigens die erste Stadt Frankreichs, in der Fahrräder an zahlreichen Ausleihstationen für jedermann zur Verfügung gestellt worden. Man kauft sich eine befristete oder dauerhafte Fahrradkarte und kann sich damit an jeder Station ein Fahrrad ausleihen. Am Ziel angelangt, stellt man das Fahrrad einfach wieder an einer anderen Station ab. Finde ich superpraktisch! In Rennes und Paris gibt’s das übrigens auch und in Dijon, meiner letzten Reisestation, wurde das Fahrradnetz gerade an dem Tag eingeführt, an dem ich angekommen war. Ursprünglich war die Einführung der Fahrradstationen in Lyon eine Werbemethode, um die Werbebotschaft mithilfe der Fahrräder in der Stadt zirkulieren zu lassen. Deshalb werden die Drahtesel in Lyon auch nicht von der Stadt, sondern von einem privaten Unternehmen in Stand gehalten.

rathaus.jpg   rathaus2.jpg   park1.jpg   park2.jpg

park3.jpg   messe.jpg   sonntagsspektakel.jpg

Bevor es auf zum Busbahnhof ging, gönnte ich mir noch einen Kaffee im Vieux Lyon, wo ich tatsächlich ohne Mantel draußen sitzen konnte! Fortsetzung folgt …

nacht.jpg   lyon11.jpg   lyon12.jpg

2 Gedanken zu “Reisebericht – 1. Station: Lyon, Stadt des Lichtes

  1. Pingback: Ostern in Budapest. Tag 2: Paprikaalarm und sansibarisches Mittagessen – Andarina vom Dienst

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s