Angers

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Am ersten Februarwochenende stand mein nächster Ausflug an: Ich machte mich auf den Weg nach Angers, das etwa 1 ½ h mit dem Auto südöstlich von Rennes liegt. Und was soll ich sagen? Auf den ersten Blick war ich hin und weg von dieser Stadt an der Maine! Das Museumsviertel ist komplett in hellem Sandstein gehalten und macht somit den modernen Teil der Stadt aus. Die kleinen, engen, mittelalterlichen Gassen mit den historischen Fachwerkhäusern, angelegt in einem verwirrenden Straßennetz, bilden den Kontrast. Und dann diese herrliche Lage an der Maine – sehr idyllisch vor allem bei dem frühlingshaften Wetter an diesem Wochenende. Meine Begeisterung schwächte sich dann allerdings Samstag nachmittag ab, als ich den Fehler machte, meinen Fuß zur Shopping-Primetime in die menschenüberlaufene Innenstadt zu setzen :-S

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Aber besser schön der Reihe nach: Samstag vormittag kam ich also in Angers an, was übrigens nicht mehr zur Region Bretagne gehört, sondern zu den Pays de la Loire (Länder der Loire). Nach einem obligatorischen Besuch in der Touri-Info und einem ausführlichen Stadtrundgang ging’s auf nach St. Barthélemy d’Anjou, eine kleine Gemeinde westlich von Angers. Was es dort zu sehen gab? Ein Museum der Kommunikation! Soll noch einer sagen, ich mache hier nichts für mein Studium 😉 Das Museum lag in einer riesigen Parkanlage und seine Ausstellung war mit viel Liebe fürs Detail gestaltet worden, einzig der rote Faden fehlte ein bisschen.

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Noch ein kleiner episodischer Einschub: Als ich in Angers unterwegs war, stolperte ich auf der Suche nach einer Toilette aus Versehen ins Kongresszentrum hinein. Ich fand mich an einem Empfangstresen wieder, wo ich mit einem überschwenglichen Lächeln begrüßt und sofort mit einer prospektgefüllten Papiertüte ausgestattet wurde. Meiner verdatterten Nachfrage, wo ich denn hier gelandet sei, wurde mit „Auf einer Reisemesse“ geantwortet, ich musste noch eine kurzen Fragebogen über mich ergehen lassen und konnte dann eintreten. Da ja Pauschalreisen nun erstens gar nicht mein Ding sind und es mir zweitens auch an Mitteln dafür fehlt, sah ich von dieser Messe tatsächlich nur die Toiletten und entdeckte kurz vor dem Rausgehen jedoch noch Folgendes:
osnabruck_angers.jpg Ja, ihr schaut ganz richtig: Einer der Kongresssäle hieß doch tatsächlich „Osnabrück“! Osnabrück ist nämlich die Partnerstadt von Angers. (Wusstest du das, Theresa?)

Von Samstag zu Sonntag übernachtete ich mal wieder bei jemandem vom Hospitality Club. Diesmal Isabelle, eine gestresste, aufgedrehte Journalistin von Anfang 40, die aber supernett war. Am Abend waren wir gleich bei einer Freundin eingeladen, bei der wir mit viel Sekt und Wein und einer leckeren Lasagne die Genehmigung ihres Kulturprojektes feierten. Es war schon sehr skuril: Ich inmitten von den drei Freundinnen zwischen etwas über 40 bis 50 Jahren, die total aufgedreht waren wie eine Teenagerrunde – aber ich habe echt so viel gelacht wie schon lange nicht mehr 🙂 War echt ein klasse Abend!

Am nächsten Tag startete ich meine Museumsextremtour mit dem Stadtschloss, in dem etwas weltweit Einzigartiges ausgestellt ist: Der größte Wandteppich, der jemals gewebt wurde, auf dem die Apokalypse nach der Johanneserzählung dargestellt ist. In dem spärlich beleuchteten Raum waren die einzelnen Teppichbilder aus dem 14. Jhd. auf einer Länge von etwa 100 m und einer Gesamtfläche von 700 m² (!) ausgestellt – sehr beeindruckend!

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Im Schlossinnenhof sah ich dann die ersten Touristen überhaupt in dieser Stadt und die Klischees bestätigten sich mal wieder: Italienische Großfamilie samt Mamma mit fetten Designersonnenbrillen, Designerklamotten und goldenen Handtäschchen, zwei Japaner, die sich gegenseitig unentwegt vor, neben und im Schloss fotografierten und eine französische Familie mit kleinen, kreischenden Kindern. (Mit ist das hier schon öfter aufgefallen, dass ich viel mehr Familien mit kleinen Kindern als in Deutschland sehe und alles auch generell kinderfreundlicher gestaltet ist. In fast jedem Museum gibt es Extrainformationen für Kinder aufbereitet bzw. begleitende Animationen, es gibt ziemlich viele Läden nur mit Kinderklamotten und Kinderbüchern, etc.) Nach dem Schloss stand das Musée des Beaux Arts (Museum der Schönen Künste) und schließlich noch die Galerie von David von Angers auf meinem Programm. David von Angers war ein Bildhauer, dessen teilweise übermenschlich großen Skulpturen nun hier in Angers in einer ehemaligen Kirche ausgestellt sind. Deren Dach hatte man durch ein Glasdach ersetzt, so dass bei Sonnenlicht wohl schöne Lichteffekte zu sehen sein müssen. Leider war es zu meiner Besuchszeit bewölkt. Dafür grinste mich in der ersten Etage eine ganze Reihe deutscher Köpfe an, Goethe, Schiller, die Dresdner Ludwig Tieck und Carus, etc.

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Am Abend ging es mit einer Mitfahrgelegenheit zurück. Rennes empfing mich mit strömendem Regen …

P.S.: Ich habe mittlerweile neben meinem Sprachkurs schon zwei Uniklausuren bestanden 🙂 Und das gar nicht mal so schlecht!

2 Gedanken zu “Angers

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