Jon Bon Jovi am Akkordeon und der vernaschte George Clooney

Über Rennes ist gerade das Akkordeonfestival „Le Grand Soufflet“ (Die große Ziehharmonika) hereingebrochen. Jeden Tag gibt es hier daher am zeitigen Abend ein kostenloses Konzert im Festivalzelt vor dem Parlament der Bretagne. Gestern Abend konnte ich mit Rianne einen Platz in dem brechend vollen Zelt ergattern. Nach einer viertelstündigen Performance einer Akkordeonspielerin und einer Tänzerin stand Mériadec Gouriou, ein Soloakkordeonspieler, auf dem Programm. Als er die Bühne betrat, musste ich seinem Aussehen nach gleich an Jon Bon Jovi denken und schon beim ersten Stück ließ er es richtig krachen. Ich habe wirklich noch nie nie nie jemanden so exzessiv Akkordeon spielen gesehen!!! Er riss den verzerrten Mund bei jeder Armbewegung weit auf, vollführte ein Headbanging, bei dem ich schon vom Zusehen Nackenschmerzen bekam, stampfte den Rhythmus mit den Beinen mit und brachte sein Instrument wirklich an die Grenzen seiner Belastbarkeit und seiner Ausdehnungsfähigkeit. Schon nach dem ersten Stück musste sich der Spieler das schweißnasse Gesicht mit einem großen Handtuch abwischen. In den folgenden Liedern brachte er dann (leider) auch noch seine Stimme zum Einsatz. Von Gesang konnte dabei nicht die Rede sein – vielmehr erinnerten mich seine Laute, an die unkontrollierten Schreie einer vom Dorette-Syndrom geplagten Person. Und auf Dauer war es wirklich anstrengend zuzuhören. Die Lautstärke schwoll immer mehr an und der schnelle Rhythmus tat sein Übriges – von einer entspannten Abendgestaltung war also nichts zu spüren. In den Pausen zwischen den Stücken verließen dann die ersten Menschengruppen geradezu fluchtartig das Zelt, aber von draußen strömten immer wieder Neue herein, die offenbar großen Gefallen an dem Akkordeonvirtuosen fanden. Denn Applaus und Bitten um eine Zugabe gab es am Ende reichlich. Fazit des Abends: Uns hat das Konzert nicht wirklich gefallen, aber „interessant“ war es allemal und es wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. 😉

Nach dem Konzert trafen Rianne und ich uns noch mit den beiden Finninnen Maria und Emmiina zum Crêpes- bzw. Galette-Essen in einer kleinen, gemütlichen und etwas schickeren Crêperie. Alle Galettes trugen hier die Namen berühmter Georges‘ – kein Wunder, denn sie hieß „Le Saint George“. So kam es, dass Rianne sich einen lange gehegten Traum erfüllen und George Clooney (mit Spinat) vernaschen konnte. Emmiina nahm sich George Michael vor und Maria und ich hatten ein Rendezvous mit den Malern George Braque (Pilze, Crème fraîche) und George de la Tour (Ziegenkäse, Honig & Nüsse). Nach den Galettes musste natürlich noch ein Crêpes-Dessert folgen – einfach köstlich!!!

2 Gedanken zu “Jon Bon Jovi am Akkordeon und der vernaschte George Clooney

  1. Ahhh…ein Galette würde auch ich jetzt gern verdrücken, am liebsten mit Roquefort und danach ein Crepe mit beurre salée… (Lässt mein französisch nach oder schreibt man das so..? 😉 ). Jaja, Conny, da würde ich mich jetzt gern anschließen. Aber beklagen kann ich mich auch nicht, denn morgen reisen meine Eltern an und das wird klasse!!
    Viele liebe Grüße vom anderen Ende der Welt! RESA.

  2. Ich wollte es auch gerade nicht glauben, aber „beurre“ ist männlich… Also: le beurre salé. Aber köstlich ist sie allemal (vorallem in Kombination mit Caramelcreme:-))
    Bis März hast du ja noch ein bisschen Zeit dein Französisch wieder aufzufrischen…

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